Die Europäische Union hat das harte Vorgehen der russischen Polizei bei einer Protestkundgebung in Moskau scharf kritisiert. Mehr als 1.000 Demonstranten wurden bei einer nicht genehmigten Kundgebung in der russischen Hauptstadt festgenommen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation OWD-Info waren es 1.373 Menschen. Die Moskauer Polizei hatte zuvor von 1.074 Festnahmen gesprochen. Die Demonstranten hatten gegen den Ausschluss von zahlreichen Oppositionskandidaten bei den anstehenden Kommunalwahlen protestiert.

Die Einsatzkräfte gingen mit großer Härte gegen die Protestierenden vor und setzten auch Schlagstöcke ein. Laut dem Bürgerrechtsportal OWD-Info erlitten mehrere Festgenommene Nasenbrüche oder Verletzungen am Kopf.

"Diese Festnahmen und die unangemessene Gewalt gegen friedliche Demonstranten" untergrüben einmal mehr die Grundrechte auf freie Meinungsäußerung sowie auf Versammlungsfreiheit, sagte Maja Kocijančič, Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. "Diese Grundrechte sind in der russischen Verfassung verankert, und wir erwarten, dass sie geschützt werden."

Zugleich forderte sie Chancengleichheit für alle Kandidaten bei der anstehenden Regionalwahl. Russland müsse sich an die Vorgaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und andere internationale Verpflichtungen halten, so Kocijančič. Die Vorfälle vom Samstag folgten einer "besorgniserregenden Serie von Festnahmen und Polizeirazzien gegen Oppositionspolitiker in den vergangenen Tagen". Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Opposition habe ein "absurdes Ausmaß" erreicht. Trotz einzelner Berichte von Gewalt durch Demonstranten sei es eine friedliche Kundgebung gewesen.

Mehrere unabhängige Oppositionspolitiker hatten bereits im Vorfeld der Proteste von Durchsuchungen ihrer Wahlkampfbüros berichtet. Unter ihnen war auch der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, der wegen wiederholten Aufrufs zum Protest am Mittwoch zu 30 Tagen Haft verurteilt worden war.

Am Sonntag twitterte Nawalnys Sprecherin, der Kremlkritiker sei wegen einer akuten allergischen Reaktion aus der Haft in ein Krankenhaus eingeliefert worden. "Derzeit befindet er sich unter dem Schutz von Polizisten auf einer Station." Nawalny habe so etwas noch nie in seinem Leben gehabt. Die Agentur Interfax meldete, Ärzte hätten Nawalnys Gesundheitszustand als zufriedenstellend bezeichnet.