Die Teilnehmenden der von Deutschland und dem Golfemirat Katar ausgerichteten innerafghanischen Dialogkonferenz haben sich darauf geeinigt, die Gewalt in Afghanistan zu reduzieren. Laut einer gemeinsamen Abschlusserklärung sollen Angriffe auf religiöse Zentren, Schulen, Krankenhäuser, Bildungszentren, Basare, Wasserdämme oder Arbeitsplätze eingestellt werden. Zivile Opfer solle es keine mehr geben, heißt es weiter. Ab wann die Zielsetzung gelten soll und ob die Erklärung bindend ist, blieb zunächst unklar.

Der Afghanistanexperte Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network geht davon aus, dass das Ergebnis "wohl kaum" bindend sei und eher als Absichtserklärung gewertet werden sollte. Die Unterzeichner, unter ihnen auch die Taliban, könnten so öffentlich daran gemessen werden. Ruttig wies drauf hin, dass es sich bei der Dialogkonferenz nicht um formelle Verhandlungen gehandelt habe.

Der Erklärung zufolge sollen zudem ältere, behinderte und kranke Gefangene freigelassen werden. Zugesichert wurden demnach auch die Rechte von Frauen in den Bereichen Soziales, Wirtschaft, Bildung und Kultur "im Rahmen der islamischen Werte". Was genau dieser Rahmen bedeutet, wurde dabei nicht näher erläutert.

Dialog soll weitergeführt werden

Die Teilnehmenden wollen den Dialog weiterführen, wie es in einer gemeinsamen Erklärung von Deutschland und Katar heißt. Am Rande der Gespräche sagte der deutsche Afghanistan-Beauftragte Markus Potzel, dass künftige Gespräche in Usbekistan abgehalten werden könnten. Auch Europa nannte er als Option. Der Dialog müsse letztlich in Verhandlungen zwischen Vertretern der Taliban und einer Delegation aus Kabul, der auch die afghanische Regierung angehöre, münden.

Die Dialogkonferenz hatte am Sonntag begonnen. An den Gesprächen in einem Luxushotel in der katarischen Hauptstadt Doha waren Vertreter der radikalislamischen Taliban sowie aus verschiedenen Regionen des Landes stammende Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft eingeladen worden. Vertreter der Regierung in Kabul waren zwar anwesend, repräsentierten aber nicht offiziell die Regierung von Präsident Aschraf Ghani. Die Taliban lehnen direkte Gespräche mit Ghani ab, den sie als Marionette Washingtons betrachten. Ghanis Regierung nimmt auch nicht an den direkten Gesprächen zwischen den USA und den Taliban teil, die derzeit in Doha stattfinden.

Um den Konflikt in Afghanistan beizulegen, laufen intensive diplomatische Bemühungen. Seit Juli 2018 führen die USA direkte Gespräche mit Taliban-Vertretern. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban zur Terrorismusbekämpfung. Gleichzeitig wird versucht, innerafghanische Friedensgespräche zwischen den Taliban und der Regierung in die Wege zu leiten.