Die Besatzung eines US-Marineschiffs hat nach Angaben von Präsident Donald Trump in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die USS Boxer habe einen Akt der Verteidigung unternommen, nachdem die Drohne sich dem Kriegsschiff auf weniger als 1.000 Yards – weniger als 914 Meter – genähert habe. Mehrere Aufrufe, sich zu entfernen, seien ignoriert worden, sagte Trump. Es sei die jüngste "von vielen provozierenden und feindlichen Aktionen" des Irans gegen Schiffe, die in internationalen Gewässern operierten.

Der Iran versuche, die Freiheit der Schifffahrt und den Welthandel in der Meerenge zu stören, sagte Trump zu dem Vorfall. Er rief andere Staaten auf, dies zu verurteilen. Die USA behielten sich das Recht vor, ihre Interessen, Einrichtungen und Mitarbeiter zu verteidigen. Einem Sprecher des Verteidigungsministeriums zufolge ereignete sich der Vorfall an der Straße von Hormus um 10 Uhr der geltenden Zeit in internationalen Gewässern. Dazu, wie die Drohne zerstört worden sei, wollte er sich nicht dazu äußern.

"Wir haben keine Drohne verloren"

Von iranischer Seite hieß es nach Bekanntwerden des Drohnenabschusses allerdings: Man habe keine Kenntnis vom Verlust einer Drohne. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte noch am Donnerstag, er habe "keine Information". Sein Stellvertreter Abbas Aragchi schrieb auf Twitter: "Wir haben keine Drohne verloren, weder in der Straße von Hormus noch anderswo." Er befürchte, dass die USS Boxer möglicherweise "irrtümlich" eine eigene Drohne zerstört habe.

Die Lage in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist extrem angespannt. In den vergangenen Wochen war es zu mehreren Zwischenfällen mit Tankern rund um die Straße von Hormus gekommen. Im Juni waren zwei Tanker bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt worden. Die Front Altair einer norwegischen Reederei geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der Kokuka Courageous berichtete von zwei Detonationen. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar. Die US-Amerikaner machten den Iran für die Attacken verantwortlich. Die iranische Führung wies die Anschuldigungen zurück.

Kurz nach dem Zwischenfall hatte das US-Militär mitgeteilt, eine iranische Rakete habe versucht, eine US-Drohne im betroffenen Seegebiet im Golf von Oman abzuschießen. Ziel der Aktion sei offensichtlich gewesen, eine Beobachtung der Tanker-Attacke zu verhindern. Der Abschussversuch sei aber erfolglos gewesen, die Rakete habe die Drohne um etwa einen Kilometer verfehlt. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Die Straße von Hormus im Persischen Golf spielt eine entscheidende Rolle im Konflikt zwischen den beiden Ländern. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Der Iran hat in der Vergangenheit bereits mehrmals mit einer Blockade des Seewegs gedroht.

Die USA treiben derzeit ihre Initiative zum Schutz von Handelsschiffen im Golf von Oman voran. US-Vertreter warben in dieser Woche in Brüssel bei Nato-Partnern um Unterstützung für das Projekt und informierten über den aktuellen Planungsstand. Demnach soll es vor allem darum gehen, über eine erhöhte Militärpräsenz in der Region eine bessere Überwachung der Straße von Hormus zu ermöglichen.

Wirtschaftssanktionen und Urananreicherung

Im vergangenen Jahr waren die USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und haben seither scharfe Wirtschaftssanktionen gegen die Regierung wieder in Kraft gesetzt, darunter auch ein Verbot von Ölexporten. Der Iran wiederum verstieß zuletzt demonstrativ gegen zwei zentrale Auflagen des Abkommens von 2015: Die Islamische Republik überschritt die Menge an erlaubtem Uran und die Obergrenze der Anreicherung.

Nun haben die USA Zulieferer des iranischen Atomprogramms mit Sanktionen belegt. Die sieben Firmen und fünf Personen aus China, Belgien und dem Iran hätten das für die iranische Uran-Anreicherung verantwortliche Unternehmen unterstützt, erklärte das US-Finanzministerium.

Der Iran habe in Belgien und in China ansässige Firmen genutzt, um für das Atomprogramm wichtige Teile zu kaufen "und den bösen Absichten des Regimes zu dienen", erklärte US-Finanzminister Steven Mnuchin. Die USA seien angesichts der Uran-Anreicherung und des provokativen Verhaltens des Irans sehr besorgt, so Mnuchin.

Wegen der Sanktionen wird mögliches Vermögen der betroffenen Firmen und Personen in den USA eingefroren. Zudem ist es US-Bürgerinnen und Bürgern künftig verboten, mit den Firmen Geschäfte zu machen. Auch könnten ausländische Finanzunternehmen, die für die Firmen Transaktionen durchführen, mit Sanktionen belegt werden.