In weiten Teilen Venezuelas ist erneut der Strom ausgefallen. Die Regierung räumte ein, dass es sich bei dem Stromausfall um ein "landesweites Ereignis" handelt. In zahlreichen Regionen brach die Wasserversorgung zusammen, Telefone blieben stumm, Straßenlaternen fielen aus. Laut Berichten in sozialen Medien waren diesmal 19 der 24 Provinzen betroffen. Nach Angaben von Netblocks, einer Nichtregierungsorganisation, die Internetaktivität und Zensur beobachtet, sind alle Bundesstaaten des südamerikanischen Krisenlandes betroffen.

Wie Kommunikationsminister Jorge Rodríguez mitteilte, wurde der Stromausfall durch einen "elektromagnetischen Angriff" auf Staudämme im Süden des südamerikanischen Landes ausgelöst. Betroffen ist demnach vor allem das größte Wasserkraftwerk des Landes am Guri-Stausee.

Die Behörden arbeiteten an der Wiederherstellung, sagte Rodríguez und rief die Menschen zur Ruhe auf. Notfallpläne seien in Kraft, sodass medizinische Einrichtungen nicht betroffen seien. Sicherheitskräfte würden ausgesendet, um für den Schutz der Menschen zu sorgen. "Diejenigen, die die edlen Menschen in Venezuela systematisch angegriffen haben, werden erneut mit der Standhaftigkeit und dem Mut konfrontiert, die wir, die Kinder des Befreiers Simón Bolívar, angesichts von Schwierigkeiten demonstriert haben", sagte der Minister in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung.

"Sie zerstören das System und haben keine Antworten"

Bereits im März hatte es in Venezuela mehrere Stromausfälle gegeben, einer dauerte beinahe eine Woche. In der Folge brach auch die Wasserversorgung zusammen. Die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro sprach damals von einer "internationalen Cyberattacke" und machte dafür die Opposition und die USA verantwortlich. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez sprach damals von einem "elektromagnetischen" Angriff, dessen Plan in Washington ausgeheckt und vom Flügel der extremen Rechten durchgeführt worden sei. Die Opposition macht hingegen Missmanagement und Korruption der Regierung verantwortlich.

Zuletzt war die Stromversorgung vor allem in der Hauptstadt Caracas verbessert worden – indem im Landesinneren Strom eingespart wurde. Beamte versuchten, die Ausfälle herunterzuspielen und verglichen sie mit einem landesweiten Blackout in Argentinien und einem mehrere Stunden andauernden Ausfall in Teilen Manhattans während der Sommerhitze. Der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó schrieb auf Twitter, die Regierung versuche, die Tragödie zu verstecken, indem sie Strom einspare. "Aber der Fehler ist offensichtlich: Sie zerstören das System und haben keine Antworten."

Der frühere Parlamentspräsident liefert sich seit Anfang des Jahres einen Machtkampf mit Staatschef Maduro. Zahlreiche Oppositionelle sitzen in Haft. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, warf den Sicherheitskräften vor wenigen Wochen schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Zudem leiden die Venezolaner seit Jahren unter einer Wirtschaftskrise mit drastischen Versorgungsengpässen. Weil Devisen fehlen, können kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs eingeführt werden. Millionen Menschen sind bereits ins Ausland geflohen.