Angesichts der anhaltenden Krise in Venezuela zeigt sich die UN-Flüchtlingshilfe besorgt. Pro Jahr würde rund eine Million Menschen aus dem lateinamerikanischen Land fliehen, teilte die Hilfsorganisation in Bonn mit. Mehr als vier Millionen Frauen, Kinder und Männer hätten ihre Heimat Venezuela seit 2015 verlassen. Nach UN-Angaben gehören sie damit zu den größten vertriebenen Bevölkerungsgruppen weltweit. 

"Wenn alles verloren scheint, nehmen die Menschen jedes Risiko, jede Gefahr in Kauf auf der Suche nach Sicherheit", sagte Geschäftsführer Peter Ruhenstroth-Bauer. Sie bräuchten dringend Unterstützung, "eine Perspektive und einen stabilen Alltag". 

Rund jede zweite Familie ist dabei laut einer Befragung der UN-Flüchtlingshilfe besonderen Risiken auf den Fluchtrouten ausgesetzt. Flüsse seien oft lebensgefährlich. Eltern müssten ihre Kinder betteln oder arbeiten schicken und Frauen müssten sich prostituieren, um zu überleben. Die Gründe für die Flucht seien ständiger Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten, fehlender Zugang zu Schulen und zum Gesundheitswesen sowie eine ausufernde Bandenkriminalität.

Wirtschaft ist um ein Drittel geschrumpft

Die meisten Geflohenen leben den Angaben zufolge in lateinamerikanischen Nachbarländern wie Kolumbien, Chile oder Ecuador. Aber auch Mexiko und Länder in Mittelamerika sowie der Karibik nehmen Flüchtlinge auf. Die wachsende Zahl von Menschen, die ihre Heimat verlässt, bedeutet eine große Belastung für die Transit- und Aufnahmeländer bei der Bereitstellung von Schutz- und Bildungsmaßnahmen sowie für die Gesundheitsversorgung. Das führe teilweise zu strengeren Grenzkontrollen, was die Fluchtrouten wiederum gefährlicher macht, da die Menschen diese Kontrollen umgehen wollen. 

Neben der Massenflucht setzt sich der Machtkampf zwischen Präsident Nicolás Maduro und dem zu Jahresbeginn zum Interimspräsidenten ausgerufenen Juan Guaidó weiter fort. Die Wirtschaft ist um ein Drittel geschrumpft, durch die Hyperinflation ist das Geld wertlos. Viele Venezolaner sind verarmt und hungern. Zudem ist das Gesundheitssystem zusammengebrochen und Krankheiten breiten sich aus.