In Frankreich werden Kosten für homöopathische Medikamente künftig nicht mehr von den Krankenkassen übernommen. Der aktuelle Zuschuss von 30 Prozent für solche Mittel werde im kommenden Jahr halbiert, gab die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn bekannt. Ab 2021 würden die Kassen gar keinen Teil der Kosten mehr tragen.

Buzyn begründete die Entscheidung mit massiven Zweifeln an der Wirksamkeit der Medikamente. Ende Juni hatte die französische Gesundheitsbehörde offiziell mitgeteilt, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gebe. Daher sei eine Erstattung durch die öffentliche Krankenkasse nicht zu rechtfertigen. 

Während viele französische Ärztinnen und Ärzte erfreut auf die Entscheidung des Gesundheitsministeriums reagierten, äußerten Patientenvertreter, aber auch Hersteller Kritik. Produzenten homöopathischer Arzneimittel warnten vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Der französische Marktführer Boiron nannte eine Zahl von rund 1.300 gefährdeten Jobs. Gewerkschaftsvertreter merkten an, dass durch die Maßnahme mehr als 1.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Auch aus der Bevölkerung gab es Widerstand gegen die Gesetzesänderung. Nach Angaben des Gesundheitsministerium nimmt rund jede und jeder Zehnte in Frankreich homöopathische Mittel ein, zum Beispiel bei Schnupfen oder Halsschmerzen. Wie Buzyn in einem Interview des Fernsehsenders RTL sagte, seien viele Franzosen etwa von der Wirkung von Globuli überzeugt. "Aber es ist wichtig, dass jeder Euro der Sozialversicherung mit gutem Grund ausgegeben wird", machte die Ministerin deutlich. Ein reiner Placeboeffekt rechtfertige diese Ausgaben nicht.

Nicht nur in Frankreich wird die Homöopathie diskutiert

Die Debatte zur Wirksamkeit von Homöopathie wird nicht nur in der französischen Gesellschaft geführt. In Großbritannien prüft der nationale Gesundheitsdienst NHS derzeit ebenfalls, ob man homöopathische Therapien aus dem Katalog der Grundversorgung streichen solle.

In Deutschland hatte zuletzt der SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach gefordert, dass Homöopathie nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden solle. Bisher zählen homöopathische Arzneimittel wie auch Gesundheitskurse zu den freiwilligen Leistungen der Krankenkassen in Deutschland.

Der Glaube an die Heilkraft von Homöopathie beruht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann. Noch immer ist es an den Vertretern der Homöopathie, die Wirksamkeit der Methode zu belegen. Das ist seit 200 Jahren nicht gelungen.