Die britische Marine hat in Gibraltar einen Öltanker auf dem Weg nach Syrien wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen EU-Sanktionen festgesetzt. Die örtlichen Behörden hätten die Hilfe der Streitkräfte angefordert, teilte die Regierung des britischen Überseegebietes im Süden Spaniens mit. Es gebe Grund zur Annahme, dass das Rohöl an Bord der Grace 1 für die Banjas-Raffinerie in Syrien bestimmt gewesen sei, sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo in einer Videobotschaft. Dies wäre aber ein Verstoß gegen die EU-Sanktionen, die für das Bürgerkriegsland gelten.

Die Strafmaßnahmen der EU und anderer Parteien sind 2011 wegen des brutalen Vorgehens von Staatschef Baschar al-Assad gegen die Zivilbevölkerung verhängt worden. Davon betroffen sind derzeit 270 Personen und 70 Unternehmen.

Mehreren Berichten zufolge stammt das Öl, das der Tanker transportiert, aus dem Iran. Darauf deuteten Verschiffungsunterlagen hin, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Auch laut dem Branchendienst Lloyd's List handelt es sich bei der Ladung der Grace 1 um iranisches Öl. Der Tanker fährt laut der Datenbank balticshipping.com unter der Flagge Panamas. Einer UN-Liste zufolge gehört der Tanker der in Singapur ansässigen Firma Grace Tankers.

Die USA haben nach ihrer Aufkündigung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran Sanktionen gegen das Land verhängt, die unter anderem dessen Ölindustrie treffen und iranische Ölexporte verhindern sollen. Von Syrien gab es zunächst keine Reaktion. Der Iran liefert dem Land seit Jahren Öl. Der Iran protestierte gegen den Stopp seines Öltankers und bestellte den britischen Botschafter in Teheran ein. "Der Stopp des iranischen Öltankers durch die britische Marine war illegal", schrieb der Außenministeriumssprecher Abbas Mussawi auf Twitter.

Spanien prüft Verletzung seiner Souveränität

Der spanische Außenminister Josep Borrell sagte, die Festsetzung des Tankschiffes sei auf eine Bitte der USA an Großbritannien erfolgt. Spanien prüfe den Fall. Untersucht werde, ob dadurch die Souveränität seines Landes beeinträchtigt worden sei. Gibraltar am Südzipfel Spaniens steht seit 1713 unter britischer Souveränität. Das Gebiet wird aber von Spanien beansprucht, das Land erkennt zudem die Gewässer um Gibraltar nicht als britisch an.

Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May begrüßte die Festsetzung des Öltankers und beschrieb diese ebenfalls als Schritt zur Durchsetzung von EU-Sanktionen gegen die syrische Führung. Die EU-Kommission wollte sich nicht äußern. Sie erklärte, ihr lägen dazu keine Informationen vor. Die Durchsetzung von Sanktionen der Europäischen Union sei Sache der Mitgliedstaaten. Die Grace 1 hatte aus dem Golf kommend Afrika umrundet. Es ist der erste öffentlich bekannte Fall einer Festsetzung eines Tankers wegen eines Verstoßes gegen Syrien-Sanktionen der EU.