Die USA streben ein "sehr umfassenden Freihandelsabkommen" mit Großbritannien an. Das hat US-Präsident Donald Trump dem neuen britischen Premier Boris Johnson nach eigenen Angaben bei einem Telefonat gesagt. Der geplante Deal könne den bestehenden Handel um das Fünffache erhöhen.

Bisher sei der Handel zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich durch dessen Beziehungen zur Europäischen Union "gehemmt" worden, ergänzte Trump. Doch mit dem Brexit "könnten wir viel, viel mehr Handel treiben und rechnen damit, das zu tun". 

Zudem bekundete Trump erneut seine Begeisterung über den neuen britischen Premier. Das Vereinigte Königreich habe Johnson "gebraucht", sagte er. Er habe das Zeug zum Erfolg und sei ein "guter Typ". 

Johnson war am Mittwoch zum Nachfolger von Premierministerin Theresa May ernannt worden. Der Brexit-Hardliner hatte sich tags zuvor in einer parteiinternen Stichwahl um das Amt des Parteichefs der konservativen Tories durchgesetzt. Trump gehörte zu den ersten Gratulanten. Der US-Präsident hatte schon mehrfach seine Sympathien für Johnson und dessen populistischen Politikstil publik gemacht und zugleich dessen Vorgängerin Theresa May scharf kritisiert. Die öffentlichen Einmischungen Trumps in die britischen Regierungsgeschäfte sorgten in Großbritannien vielfach für Verstimmung.

Freihandelsabkommen werden von der EU zentral für alle Mitgliedsstaaten vereinbart. Großbritannien wird voraussichtlich ab November kein EU-Mitglied mehr sein und kann in Zukunft dann wieder bilaterale Handelsabkommen abschließen. Trump hatte der britischen Regierung schon zuvor ein Freihandelsabkommen im Falle eines Brexits in Aussicht gestellt. Experten sehen dies jedoch sehr skeptisch: Das Aushandeln solcher Abkommen ist sehr langwierig, zudem hat Großbritannien deutlich weniger Verhandlungsmacht als die EU als Ganzes. Ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA etwa wurde nach der Wahl Trumps 2016 auf Eis gelegt.