Knapp drei Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat die Justiz die Festnahme von mehr als 200 weiteren Soldaten beantragt. Sie werden verdächtigt, in Verbindung mit der verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu stehen, den die türkische Regierung für den Putschversuch verantwortlich macht.

Laut der Staatsanwaltschaft in Istanbul wurden allein dort Haftbefehle gegen 176 aktive Militärangehörige ausgestellt. Darunter sind laut Staatsanwaltschaft ein Oberst, zwei Oberstleutnants, fünf Majore und sieben Kapitäne aus Armee, Luftwaffe und Marine. Weitere 35 Verdächtige wurden in Izmir zur Fahndung ausgeschrieben. In der nordwestlichen Provinz Kocaeli nahe Istanbul werden 17 Verdächtige gesucht, in der Hauptstadt Ankara 32.

Seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden landesweit rund 77.000 Soldaten und andere Menschen unter dem Verdacht festgenommen, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören. Weitere rund 130.000 Beamte wurden entlassen. Die Regierung von Recep Tayyip Erdoğan wirft der religiösen Gruppe des in den USA lebenden Predigers Gülen vor, systematisch den Staatsdienst unterwandert zu haben.

Kritiker beklagen dagegen, dass die Festnahmen oft ohne konkrete Beweise erfolgten und die Verdächtigen keinen fairen Prozess erhielten. Die Regierung verteidigt das Vorgehen als notwendige Maßnahme zur Gewährleistung der Sicherheit im Land.