Die Festsetzung eines britischen Öltankers in der Straße von Hormus durch den Iran droht zu einem gewaltsamen Konflikt zu führen. Die Situation am Golf sei dadurch "noch ernster und gefährlicher geworden", sagte Außenminister Heiko Maas der Bild am Sonntag. "Es geht darum, Krieg zu verhindern", sagte der SPD-Politiker. Sollte die Diplomatie scheitern und es zu einer militärischen Eskalation kommen, gebe es "keine Gewinner, nur Verlierer".

Maas rief den Iran zum Einlenken auf: "Der ganze Nahe und Mittlere Osten wäre betroffen, viele Menschen würden aus der Region fliehen, auch nach Europa. Gerade in Teheran muss man jetzt seiner Verantwortung gerecht werden und nicht weiter an der Eskalationsspirale drehen." Um den Konflikt zu entschärfen sei eine "kluge Diplomatie" gefragt, die Gesprächskanäle offen halte und Wege zur Vertrauensbildung finde.

Die Nato zeigte sich besorgt über die "destabilisierenden Aktivitäten des Iran". Ein Sprecher des Verteidigungsbündnisses verurteilte die Beschlagnahme des britischen Tankers als Angriff auf die freie Schifffahrt.

Großbritannien beklagt Verletzung des Völkerrechts

Die britische Regierung wandte sich wegen des Vorfalls an den UN-Sicherheitsrat. "Das Völkerrecht verlangt, dass das Recht auf Durchreise nicht behindert wird, und deshalb stellt die iranische Aktion einen illegalen Eingriff dar", heißt es in einem Schreiben an den Weltsicherheitsrat, der auch an UN-Generalsekretär Antonio Guterres geschickt wurde. Der Tanker habe sich in omanischen Hoheitsgewässern befunden, als er von iranischen Streitkräften beschlagnahmt worden sei.

"Die derzeitigen Spannungen sind äußerst besorgniserregend, und unsere Priorität ist die Deeskalation. Wir suchen nicht die Konfrontation mit dem Iran", heißt es in dem Brief an die UN. "Aber es ist inakzeptabel und eskalierend, die Schifffahrt zu bedrohen, die ihr legitimes Geschäft über international anerkannte Transitkorridore abwickelt."

Das Schiff sei in einen Unfall mit einem iranischen Fischerboot verwickelt gewesen und habe dessen Notruf ignoriert, berichtete hingegen die iranische Nachrichtenagentur Fars. Großbritannien wies diese Darstellung zurück und forderte den Iran auf, den Tanker freizugeben.

Womöglich diplomatische Maßnahmen Großbritanniens

Einem Medienbericht zufolge erwägt die Regierung Sanktionen gegen den Iran. Außenminister Jeremy Hunt dürfte am Sonntag diplomatische und wirtschaftliche Maßnahmen bekanntgeben, berichtete der Daily Telegraph. Dazu gehöre das mögliche Einfrieren von Vermögen. Großbritannien könnte demnach darauf drängen, dass UN und EU erneut Sanktionen gegen den Iran verhängen, die 2016 nach dem Atomabkommen aufgehoben worden waren.

Die Straße von Hormus ist ein strategisch wichtiges Nadelöhr für den Transport von Erdöl. Etwa ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Öls wird durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman befördert.