Bei einer zunächst friedlichen Demonstration mit Zehntausenden Menschen in Hongkong ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Protestlern und Polizisten gekommen. Im Stadtteil Shatin forderten Demonstranten den Rücktritt von Regierungschefin Carrie Lam. Zudem verlangten sie demokratische Wahlen in der früheren britischen Kronkolonie. Auch für die endgültige Rücknahme des kontroversen Auslieferungsgesetzes wurde protestiert. Am Rande der Massendemonstration blockierten einige kleinere Gruppen eine Straße. Die Polizei versuchte, den Protest mit Pfefferspray und Schlagstöcken aufzulösen. Maskierte Demonstranten bauten daraufhin Barrikaden aus Metallgittern auf.

"Carrie Lam, fahr zur Hölle", skandierten einige auf der Demonstration und richteten sich an Hongkongs Regierungschefin. Andere Protestierende schwenkten britische und US-Flaggen. Einige hielten Banner hoch, auf denen "Bitte befreie Hongkong" stand. "Wir haben so oft demonstriert, aber die Regierung hört immer noch nicht zu. Das zwingt alle weiter auf die Straße", sagte der 24-jährige Demonstrant Tony Wong. Für viele Teilnehmende sind die Demonstrationen auch Ausdruck ihres generellen Grolls gegenüber der Zentralregierung in Peking. 

Journalisten protestieren gegen Polizeigewalt

In der Innenstadt Hongkongs schlossen sich am Sonntag Hunderte Menschen einer Demonstration von Journalistinnen und Journalisten an, die gegen Polizeigewalt protestierten. Die Medienschaffenden werfen Polizisten vor, sie misshandelt zu haben, während sie über die Proteste der vergangenen Monate berichtet hätten. Sie marschierten zum Büro von Regierungschefin Lam und übergaben einen Brief mit Beschwerden an einen Polizisten. 

Bereits am Samstag war es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und überwiegend jungen Demonstranten gekommen. Die Einsatzkräfte griffen zu Tränengas und Schlagstöcken.

China hatte London bei der Übergabe Hongkongs im Jahr 1997 zugesichert, dass in der ehemals britischen Kolonie Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit für mindestens 50 Jahre gewahrt blieben. Hongkongs wiedererstarkte Oppositionsbewegung wirft der pekingtreuen Regierung vor, diese als "Ein Land, zwei Systeme" bekannte Regelung zunehmend zu unterlaufen. 

Auslöser der seit Wochen andauernden Proteste war der Entwurf eines Gesetzes, das den Behörden von Hongkong die Auslieferung von Straftätern an China erlaubt hätte. Hongkongs Regierungschefin Lam hatte das Auslieferungsgesetz zwar am 9. Juli für tot erklärt, ohne aber den Gesetzentwurf auch formal von der Tagesordnung des Parlaments zu nehmen. Das aber ist die Kernforderung der Demonstrierenden.