Großbritannien will Schiffe in der Straße von Hormus mit der Hilfe europäischer Partner schützen. Dazu solle eine Schutzmission eingerichtet werden. Das teilte der britische Außenminister Jeremy Hunt nach einer Dringlichkeitssitzung des Krisenkabinetts in London mit.

"Wir werden nun die Aufstellung einer europäisch geführten maritimen Schutzmission anstreben, um die sichere Durchfahrt sowohl der Besatzungen als auch der Ladungen in dieser zentralen Region zu unterstützen", sagte Hunt. Einzelheiten nannte der Minister nicht. Er sagte lediglich, die britische Regierung werde "angemessene Schritte unternehmen, um die sichere Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus unterstützen".

Der Iran hatte am Freitag in der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman den britischen Öltanker Stena Impero beschlagnahmt und die Crew festgesetzt. Britische Medien veröffentlichten von dem Vorfall Audioaufnahmen. Die Iranischen Revolutionsgarden ihrerseits veröffentlichten ein Video, das die Beschlagnahmung  zeigen soll.

Vertreter der iranischen Regierung hatten den Schritt als gerechtfertigte Reaktion auf die Beschlagnahme des iranischen Tankers Grace 1 vor Gibraltar durch Großbritannien erklärt. Am 4. Juli hatten die britischen Behörden die Grace 1 im Mittelmeer unter dem Verdacht festgesetzt, dass das Schiff Öl nach Syrien bringen wollte und damit gegen EU-Sanktionen verstoßen habe. Der Iran bestreitet diese Vorwürfe und betrachtet das britische Vorgehen als illegal.

Ein "Akt staatlicher Piraterie"

Hunt bezeichnete die Maßnahme gegen den britischen Tanker Stena Impero als einen "Akt staatlicher Piraterie". Großbritannien ist überzeugt, dass das Schiff unter Verletzung internationalen Rechts gestoppt worden sei. Er stellte jedoch klar, dass die geplante Schutzmission nicht "Teil der Politik des Drucks der USA auf den Iran" sei. "Wir suchen keine Konfrontation mit dem Iran", sagte der Außenminister. Es müsse nun diskutiert werden, inwieweit der Einsatz einer europäischen Schutzmission entsprechende Pläne der US-Regierung ergänze.

In den vergangenen Wochen war es wiederholt zu Zwischenfällen in der Straße von Hormus gekommen, mehrfach wurden Tanker und Schiffe verschiedener Nationen an der Weiterfahrt gehindert. Der Weg durch die Meerenge ist eine wichtige Transportstrecke für den internationalen Handel: Etwa ein Fünftel der globalen Erdöltransporte wird durch die Straße von Hormus verschifft. Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden.