Der Iran will nach Angaben von Präsident Hassan Ruhani ab dem Wochenende "unbegrenzt" Uran anreichern. "Am 7. Juli wird unsere Obergrenze für die Urananreicherung nicht mehr 3,67 Prozent betragen und wir werden diesbezüglich unsere Verpflichtungen nicht mehr erfüllen", sagte Ruhani. Der Iran werde in Zukunft Uran auf ein solches Niveau anreichern, "wie wir wollen, wie es notwendig ist".

Ruhani zufolge kann der Schritt nur verhindert werden, wenn die Vertragspartner das Atomabkommen vertragsgerecht umsetzen. "Wir waren und sind dem Atomdeal hundertprozentig verpflichtet", sagte er im staatlichen Fernsehsender Irib. "Aber das beruht auf Gegenseitigkeit." Er verlange "eine Rückkehr zur Logik, zu Gesetzen, zu anerkannten Abkommen und zu UN-Resolutionen".

Dem internationalen Atomabkommen von 2015 zufolge darf der Iran Uran maximal auf 3,67 Prozent anreichern. Als Reaktion auf den einseitigen Ausstieg der USA aus der Vereinbarung vergangenes Jahr hatte Ruhani Anfang Mai jedoch angekündigt, bestimmte Bestimmungen nicht länger einzuhalten. Am Dienstag überschritt der Iran die zulässige Menge niedrig angereicherten Urans und verstieß damit erstmals gegen das Atomabkommen.

Mit der Erhöhung des Anreicherungsgrads verstärkt der Iran nun den Druck auf die verbliebenen Vertragspartner, ihm bei der Umsetzung des Atomabkommens entgegenzukommen. Die iranische Regierung beklagt seit Langem, dass diese zu wenig tun, um den Handel aufrechtzuerhalten. Erneute US-Sanktionen haben die Handelsbeziehungen des Iran stark belastet. Die meisten ausländischen Firmen haben sich aus dem Land zurückgezogen.