In Zukunft sollen Frachtschiffe, die unter britischer Flagge durch die Straße von Hormus fahren, von Großbritanniens Marine eskortiert werden. Das gab das Verteidigungsministerium in London bekannt. Die Marine sei angewiesen worden, die Schiffe einzeln oder im Verband zu begleiten – ab sofort. Die Schiffe müssten sich rechtzeitig dafür anmelden.

Dieser Beschluss sei seit mehreren Tagen vorbereitet worden und stehe in keinem Zusammenhang mit der Ernennung des neuen britischen Premierministers, Boris Johnson.

Mit der Entscheidung reagiert die britische Regierung auf die Beschlagnahme des britischen Frachters Stena Impero am vergangenen Freitag. Die iranische Führung hatte angegeben, den Tanker festgesetzt zu haben, weil wiederum britische Behörden vor drei Wochen das iranische Schiff Grace 1 vor Gibraltar gestoppt hatten. Damals hatte Großbritannien den Schritt damit begründet, dass der Tanker Öl nach Syrien transportieren sollte und damit gegen EU-Sanktionen verstoßen habe. Diesen Vorwurf weist der Iran zurück.

An diesem Donnerstag wollten die USA, Großbritannien und andere westliche Staaten in Florida über einen besseren Schutz der Seefahrt in der Region beraten. Großbritannien hat einen Schutzeinsatz unter europäischer Leitung vorgeschlagen.

In den vergangenen Wochen kam es mehrmals zu Zwischenfällen mit Öltankern: Eine Woche nach der Beschlagnahme der Grace 1 versuchte der Iran nach Darstellung der britischen Regierung etwa, den britischen Tanker British Heritage in der Straße von Hormus zu blockieren. Seit Anfang Mai gab es zudem mehrere Angriffe auf Tanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate und im Golf von Oman, für die die US-Regierung den Iran verantwortlich macht. Die iranische Regierung weist all diese Vorwürfe zurück.

Die Straße von Hormus im Persischen Golf gilt als einer der wichtigsten Schifffahrtswege. Ein Fünftel der weltweiten Erdöltransporte geht durch diese Meerenge.