Vieles spricht dafür, dass die Briten ihre Gibraltar-Marineaktion vor zwei Wochen gegen den iranischen Supertanker Grace 1 mittlerweile bereuen. Damals hatte sich das Brexit-geschüttelte London von den amerikanischen Hardlinern im Weißen Haus breitschlagen lassen und erstmals ein Schiff beschlagnahmt, das Öl für Syrien an Bord haben soll.

Die Vergeltung der Islamischen Republik ließ nicht lange auf sich warten. Jetzt liegt auch ein britischer Tanker in iranischen Gewässern angekettet, gekapert in einer ähnlich martialischen Militäroperation wie im Mittelmeer.

Bloß keinen zweiten Krieg à la Irak

Und plötzlich stehen nicht mehr die Amerikaner selbst, sondern die Briten im Zentrum des von US-Präsident Donald Trump angerichteten Iran-Schlamassels. Spanien geht öffentlich auf Distanz zu dem Gibraltar-Coup, die EU-Zentrale in Brüssel schweigt eisern. Und eigentlich will auch London, wie die beiden anderen europäischen Vertragsstaaten Frankreich und Deutschland, an dem Atomabkommen festhalten und hält Trumps Strategie des maximalen Drucks für falsch.

Auch in einen möglichen Krieg am Persischen Golf möchte England von den Vereinigten Staaten nicht hineingezogen werden, dazu sitzt seiner Führung die Irak-Katastrophe von 2003 unter US-Feldherr George W. Bush zu tief in den Knochen. 

Und so legt die kaltblütige iranische Kommandoaktion vom Wochenende vor allem eines offen: die Schwäche Großbritanniens. Deren einsamer Zerstörer in der Straße von Hormus ist nicht in der Lage, britische Tankschiffe wirksam zu schützen. Und dem Treiben der Revolutionären Garden hat London kaum mehr entgegenzusetzen als harsche Worte und leere Drohungen.