Bei der Wahl des japanischen Oberhauses hat die Regierungskoalition des Ministerpräsidenten Shinzo Abe nicht die Zweidrittelmehrheit erhalten. Zwar hat Abes Liberaldemokratische Partei (LPD) und der kleinere Koalitionspartner Komeito wie erwartet die Wahl gewonnen, für die angestrebte Verfassungsreform im Alleingang reicht die Mehrheit in der zweiten Kammer im Parlament jedoch nicht aus. Nach Angaben des öffentlich rechtlichen Rundfunks NHK hätte Abes Partei gemeinsam mit dem Partner Komeito 85 der 124 Sitze für eine Zweidrittelmehrheit benötigt. Zusammen sei die Koalition aber nur auf 69 Sitze gekommen, weitere neun Plätze sind noch nicht ausgezählt. Damit ist Abe auf die Unterstützung weiterer Parteien und unabhängiger Abgeordneter angewiesen, um seine Reform bis zum Ende seiner Amtszeit 2021 umzusetzen.

Abe, der eine gute Beziehung zu US-Präsident Donald Trump pflegt, hat mit der LPD die letzten fünf Parlamentswahlen seit 2012 gewonnen. Der Ministerpräsident hat sich in den vergangen Jahren vor allem darauf konzentriert, die japanische Wirtschaft anzukurbeln. Des Weiteren hat Abe die Verteidigungsstärke Japans nach und nach ausgebaut. In diesem Zusammenhang strebt Abe seit Langem eine Änderung der pazifistischen Nachkriegsverfassung an. Nach Artikel 9 der Verfassung besitzt das Land keine offiziell eigene Armee, sondern nur "Selbstverteidigungskräfte" mit geringer personeller und materieller Ausstattung. Die Verfassungsreform soll die Existenz einer japanischen Armee offiziell machen. Dafür braucht er allerdings eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Parlaments, gefolgt von einer einfachen Mehrheit bei einem Referendum. Im mächtigeren Unterhaus hat Abe schon die nötige Mehrheit. 

Die LPD konnte die Wahl vor allem wegen der schwachen Opposition für sich entscheiden. Viele Wählerinnen und Wähler äußerten ihre Unzufriedenheit mit der Politik von Abe und seiner LPD. Allerdings würde es die Opposition nicht schaffen, sich den Bürgerinnen und Bürgern als vertrauenswürdige Alternative präsentieren, schätzen Wahlbeobachter die Situation ein. Thema der Opposition war unter anderem die Sorge vieler Bürger, dass ihre Rente angesichts der rapiden Überalterung der Gesellschaft nicht mehr sicher sei. Ebenso verwiesen sie auf die kontroverse Entscheidung Abes, trotz Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung bald die Verbrauchssteuer anzuheben. In einigen Wahlbezirken hatten sich die Oppositionspartei Konstitutionelle Demokratische Partei Japans und drei weitere liberale Parteien zusammengetan.