Der neue griechische Premierminister heißt Kyriakos Mitsotakis. Ich habe ihn vor ungefähr eineinhalb Jahren in Berlin kennen gelernt. Da war er gerade auf einer Tour durch die europäischen Hauptstädte, um sein wirtschaftspolitisches Programm vorzustellen. Er zeigte mir viele bunte Grafiken und Schaubilder und erklärte, dass sein Land niedrige Steuern und weniger Bürokratie brauche, um wirtschaftlich wieder nach vorn zu kommen.

Das hat mich ehrlich gesagt nur halb überzeugt, aber darum geht es hier nicht. Mein Punkt ist: Kyriakos Mitsotakis scheint nach allem, was man weiß, ein seriöser, auf Ausgleich bedachter Politiker zu sein. Und noch ein interessantes Ergebnis hat diese Wahl hervorgebracht: Die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte wird nicht wieder ins griechische Parlament einziehen.

Das ist insofern interessant, als Griechenland nicht nur mit einem gestiegenen Flüchtlingsaufkommen fertig werden musste, sondern gerade eine der schwersten Wirtschaftskrisen aller Zeiten hinter sich gebracht hat. Zur Erinnerung: Die griechische Wirtschaft ist im Zuge dieser Krise stärker eingebrochen als die deutsche während der Depression der Dreißigerjahre.

In Deutschland kam damals Adolf Hitler an die Macht, in Griechenland Alexis Tsipras. Der ist trotz seiner anfänglichen rhetorischen Ausfälle ein grundvernünftiger Politiker. Er hat sogar eine Lösung im jahrzehntelangen Namensstreit mit dem nördlichen Nachbarn Mazedonien ausgehandelt und damit einen Beitrag zur Stabilisierung der Balkanregion geleistet. Und nun folgt ihm mit Kyriakos Mitsotakis ebenfalls ein Mann der Mitte.

Eine Radikalisierung ist ausgeblieben

Anders gesagt: Während die Deutschen wahrscheinlich im Herbst die AfD zur stärksten Kraft im Osten machen werden, haben die Griechen ihre Rechten gerade aus dem Parlament geworfen.

Dabei hätten sie eigentlich jede Menge Gründe gehabt, sich zu radikalisieren. Sicher: Griechenland hat sich durch seine verantwortungslose Ausgabenpolitik selbst an den Rand des Abgrunds gebracht. Doch bei der Sanierung des Landes sind von externer Seite jede Menge Fehler gemacht worden, wie inzwischen sogar der daran beteiligte Internationale Währungsfonds (IWF) einräumt. Man hat sich viel zu spät daran gemacht, die erdrückende Schuldenlast des Landes zu senken, man hat zu viele Sparprogramme eingefordert und sich zu wenig darum gekümmert, die Wachstumskräfte zu stärken. Das ist nicht zuletzt der deutschen Bundesregierung anzulasten.

Diese Radikalisierung ist ausgeblieben, auch wenn es in Athen immer wieder zu Großdemonstrationen gekommen ist. Woran es liegt, dass sich die Griechen in all dem Schlamassel ihre Zivilität bewahrt haben, ist schwer zu sagen. Vielleicht haben sie in ihrer wechselvollen Geschichte einfach erfahren, dass sich die Versprechen der Populisten am Ende als genau das erweisen: Versprechen, die am Ende doch nicht eingelöst werden.

Es ist in den vergangenen Jahren in Deutschland oft davon die Rede gewesen, was die Griechen wirtschaftspolitisch angeblich von Deutschland lernen können. In Sachen Demokratie können wir womöglich von ihnen etwas lernen.

Das sollte vielleicht von deutscher Seite bei künftigen Verhandlungen bedacht werden. Das griechische Hilfsprogramm wurde zwar offiziell beendet, und die griechische Wirtschaft ist in Fahrt gekommen: Die Arbeitslosigkeit sinkt, die Unternehmen investieren wieder.

Die Wirtschaftspolitik der Regierung in Athen aber wird weiter von Brüssel aus überwacht. Schließlich haben die Griechen Kredite in Milliardenhöhe erhalten, deren Rückzahlung noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Die Europäer haben ein Interesse daran, dass sie dieses Geld zurückbekommen. Das ist auch legitim. Es darf aber nicht dazu führen, dass das Land noch einmal mit überzogenen Sparanforderungen konfrontiert wird.

Sonst ist vielleicht irgendwann auch die Geduld der Griechen zu Ende.