In die Affäre um angebliche Zahlungen aus Russland an die Lega-Partei des italienischen Innenministers Matteo Salvini hat sich einem Medienbericht zufolge die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. In Mailand seien Ermittlungen eingeleitet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Allerdings blieb unklar, ob die Ermittlungen gerade erst eingeleitet wurden oder schon länger laufen. Von der Staatsanwaltschaft gab es dazu keine Stellungnahme.

Am Mittwoch hatte Buzzfeed von einer Audioaufnahme berichtet, die der Redaktion zugespielt worden sei. Diese Aufnahme sei ein Beweis für ein Treffen eines früheren Sprechers von Salvini mit russischen Politikern im Metropol-Hotel in Moskau. Dabei sollen Möglichkeiten erörtert worden sein, wie Salvinis Partei Lega Nord vor der Europawahl heimlich Geld aus Russland bekommen könnte.

Buzzfeed zufolge fand das Treffen im Oktober 2018 in Moskau während eines Besuchs des italienischen Innenministers statt. In dem Gespräch sei es um ein großes Ölgeschäft gegangen: Eine russische Ölfirma sollte demnach Öl im Wert von 1,5 Milliarden Dollar – umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro – an das große italienische Ölunternehmen Eni verkaufen. Im Gegenzug sollten Zahlungen in Millionenhöhe an Salvinis rechtsradikale Lega fließen.

Im Februar hatte das italienische Investigativmagazin L'Espresso bereits über solche geheimen Verhandlungen berichtet und dabei den Namen von Gianluca Savoini genannt, einem Vertrauen Salvinis und ebenfalls Lega-Mitglied. Savoini hatte Salvini im Herbst vergangenes Jahr nach Moskau begleitet. Er ist Präsident des italienisch-russischen Kulturvereins Lombardia Russia.

Opposition fordert parlamentarische Untersuchung

Abgeordnete der oppositionellen Demokratischen Partei forderten am Donnerstag eine parlamentarische Untersuchung zu den Vorwürfen. Sie wollen Salvini und den Journalisten von Buzzfeed befragen, der die Vorwürfe erhoben hat. Auch der italienische Botschafter in Moskau, der russische Botschafter in Rom und ein früherer Mitarbeiter von Salvini, der angeblich das Geschäft ausgehandelt hat, sollten befragt werden.

Salvini hatte am Mittwoch angekündigt, wegen des neuerlichen Artikels klagen zu wollen. Er dementierte, jemals Geld von Russland bekommen zu haben. Er habe aus Moskau immer nur Matrjoschkas für seine Tochter mitgebracht, sagte Salvini am Donnerstag, "und wer das Gegenteil sagt, lügt und weiß, dass er lügt".

Vertreter der russischen Führung stehen seit Längerem im Ruf, bereit zu sein, prorussische Nationalisten in Europa zu unterstützen.