Libyen - Dutzende Tote bei Luftangriff auf Flüchtlingslager Bei einem Luftangriff auf das Lager bei Tripolis sind mindestens 40 Menschen gestorben. Die libysche Regierung macht den General Chalifa Haftar verantwortlich. © Foto: Hamza Turkia/AP/dpa

Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 40 Menschen getötet worden. 80 weitere Flüchtlinge seien in dem Lager im Vorort Tadschura verletzt worden, sagte Malek Merset, ein Sprecher der libyschen Gesundheitsbehörden, in der Nacht. Ein Sprecher der Rettungskräfte sagte, es handle sich um eine vorläufige Bilanz, die sich noch verschlimmern könne.

Es ist offenbar unklar, wie viele Flüchtlinge und Migranten in dem Hangar festgehalten wurden. Zunächst war vermeldet worden, es seien etwa 120 Geflüchtete, später gab die die Nachrichtenagentur AP an, in der Unterkunft hätten sich 616 Geflüchtete aufgehalten. Die von den Vereinten Nationen unterstützte libysche Regierung machte die sogenannte Libysche Nationalarmee (LNA) des Generals Chalifa Haftar für den Angriff verantwortlich.

Libyen ist seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi zwischen rivalisierenden Mächten im Osten und Westen gespalten. Die seit Dezember 2015 amtierende Regierung von Fajis al-Sarradsch, die von der UN unterstützt wird, kontrolliert Teile Westlibyens und die Hauptstadt Tripolis. General Haftar, der lange in den USA im Exil lebte, hat vor allem den Osten des Landes unter seine Kontrolle gebracht. Anfang April hatten Haftars Truppen eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet. Im Zuge dieser Kämpfe sind mindestens 3.500 Menschen vertrieben worden. Nach UN-Angaben wurden bisher mehr als 650 Menschen getötet. 

Für Migrantinnen und Migranten, die versuchen, auf der Mittelmeerroute nach Europa zu gelangen ist Libyen ein wichtiges Transitland. Die Vereinten Nationen haben sich angesichts der Kämpfe wiederholt besorgt über das Schicksal von Flüchtlingen geäußert, die in dem Bürgerkriegsland festgehalten werden. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) nannte die Zustände in den libyschen Haftlagern "verheerend" und rief die Europäische Union dazu auf, einen Rücktransport von Migrantinnen und Migranten in diese Lager zu verhindern.

Die Vermittlungsversuche mehrerer UN-Gesandter zu einer Beilegung des Konflikts scheiterten bisher. Haftar erhält Rückendeckung von arabischen Ländern wie Saudi-Arabien, den Emiraten und Ägypten, die gegen die Bewegung der Muslimbrüder sind. Katar und die Türkei stehen al-Sarradsch zur Seite.

Ende Juni eskalierte der Konflikt zwischen der Türkei und der sogenannten Libyschen Nationalen Armee des abtrünnigen Generals. Haftars Kämpfer hatten nach Angaben des türkischen Außenministeriums sechs türkische Staatsbürger in Libyen festgenommen. Die Türken kamen auf Druck von Ankara nach wenigen Stunden wieder frei, der Fall zeigte aber, wie angespannt die Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren. Haftar hatte seine Armee zuvor angewiesen, türkische Schiffe in libyschen Hoheitsgewässern anzugreifen, und verbot kommerzielle Flüge zwischen den Ländern. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar drohte daraufhin mit Gegenmaßnahmen.