Der Generalsekretär der EU-Kommission, Martin Selmayr, will von seinem Amt zurücktreten. Selmayr werde seinen Posten kommende Woche abgeben, sagte eine Sprecherin der Behörde. Seinen Rücktritt hat der umstrittene EU-Beamte demnach schon vor zwei Wochen der nominierten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagen. Selmayr habe ihr gesagt, das Wichtigste sei, dass sie die Abstimmung im EU-Parlament über ihre Ernennung zur Kommissionspräsidentin gewinne.

Von der Leyen hatte bei einem Treffen der Abgeordneten der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) bereits angedeutet, dass sie Selmayr als Kommissionspräsidentin nicht im Amt belassen wolle. Es gebe ein ungeschriebenes Gesetz, wonach es nicht zwei Verantwortliche einer Nationalität auf Spitzenpositionen geben könne, sagte von der Leyen laut einem Teilnehmer.

Selmayr war 2014 Wahlkampfchef und dann Kabinettschef des scheidenden Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Für Kritik sorgte Anfang 2018 seine Blitzbeförderung zum Generalsekretär der EU-Kommission, bei der er in einer Kommissionssitzung binnen Minuten erst stellvertretender Generalsekretär wurde und dann den wichtigsten Verwaltungsposten in der EU-Behörde mit 32.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekam.

Franzose Olivier Guersent möglicher Nachfolger

Nach Aussagen der Europäischen Ombudsfrau Emily O'Reilly von September vorigen Jahres hatte die Brüsseler Behörde bei der Beförderung Selmayrs teilweise die eigenen Personalregeln manipuliert, um den Anschein eines fairen und korrekten Ergebnisses zu wahren. Das EU-Parlament hatte die Umstände der Personalentscheidung damals als "putschartig" bezeichnet.

Am Abend stimmt das Europaparlament über die Ernennung von der Leyens zur neuen Kommissionspräsidentin ab. Es wird mit einem äußerst knappen Ausgang gerechnet. Nach von der Leyens Anhörungen vergangene Woche hatten unter anderem die Grünen kritisiert, dass sich die Deutsche nicht zur Zukunft Selmayrs geäußert habe.

Als ein möglicher Nachfolger Selmayrs gilt der Franzose Olivier Guersent. Er ist bisher Generaldirektor für den Bereich Finanzdienstleistungen und Kapitalmärkte in der EU-Kommission.