Ob die geschredderten Festplatten tatsächlich etwas mit der Causa Ibiza zu tun haben, ist allerdings unbekannt. Die ÖVP sagt, auf den Platten seien nur Entwürfe für Presseaussendungen gespeichert gewesen. Doch würde man so viel Aufwand betreiben, um Pressemitteilungen loszuwerden?

Amtliche Dokumente jedenfalls hätte der Bundeskanzler nicht vernichten lassen dürfen, denn das österreichische Bundesarchivgesetz schreibt vor, dass "Schriftgut, das unmittelbar beim Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Vizekanzler, bei einem Bundesminister oder Staatssekretär in Ausübung ihrer Funktion oder in deren Büros anfällt und nicht beim Nachfolger verbleiben soll, unverzüglich nach dem Ausscheiden aus der Funktion dem Österreichischen Staatsarchiv zu übergeben" ist. Die Formulierung lässt ein Hintertürchen offen, denn letztlich entscheiden die Amtsträger selbst, ob Schriftstücke "in Ausübung ihrer Funktion" angefertigt wurden oder ob es sich um Privates handelt.

Auf Tour in Kalifornien

Die Angst, brisante Informationen könnten durch ihre Archivierung in falsche Hände gelangen, wäre eher unbegründet: Das dem Staatsarchiv übergebene Material wird sofort versiegelt. Es darf 25 Jahre lang nicht gesichtet werden, nicht einmal die Archivarinnen und Archivare selbst haben Zugriff darauf. Erst wenn die Frist abgelaufen ist, dürfen sie die Akten sortieren und aufbereiten, und nach 30 Jahren darf auch die Öffentlichkeit Einsicht nehmen. Nur der Übergebende selbst hat jederzeit Zugriff auf das Material. In den 19 Jahren, in denen es das Bundesarchivgesetz gibt, habe es noch keine einzige Indiskretion und auch keine Behördenanfrage nach den Akten gegeben, heißt es im Staatsarchiv.

Sebastian Kurz selbst tingelt derzeit mit einer Journalistengruppe durch das kalifornische Silicon Valley und sammelt Schnappschüsse für den bevorstehenden Wahlkampf. Apple-Chef Tim Cook schenkte dem jungen Ex-Kanzler einen Fototermin; und Kurz verkündet per Twitter, wie begeistert er von seinen Terminen bei Tesla, Google, Facebook und anderen Hightech-Konzernen sei. Auch in der Uni von Stanford trat der Ex-Kanzler auf – und musste sich auf Twitter die Frage gefallen lassen, ob er den Studenten erklärt habe, wie man Festplatten schreddert. Er gab keine Antwort.