Nach der Wahl von Boris Johnson zum neuen Chef der konservativen Tories und kurz vor seiner Ernennung zum neuen Premierminister Großbritanniens hat US-Präsident Donald Trump dem Brexit-Hardliner gratuliert. "Glückwunsch an Boris Johnson, dass er neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs geworden ist", schrieb Trump auf Twitter. "Er wird großartig sein!", fügte er hinzu.

Johnson hatte eine parteiinterne Urwahl um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May mit deutlichem Abstand für sich entschieden. Er hatte sich bei der Abstimmung mit 66,4 Prozent der Stimmen gegen Außenminister Jeremy Hunt durchgesetzt. Am Mittwoch wird Johnson das Amt des Regierungschefs übernehmen. Ausschlaggebend für seine Wahl dürfte auch das Versprechen gewesen sein, den Austritt Großbritanniens aus der EU durchzusetzen. Eine Frist für die Ratifizierung des Austrittsabkommens läuft Ende Oktober aus. Johnson hatte angekündigt, die EU notfalls ohne Abkommen zu verlassen.

Kritik von Labour

Großbritanniens Oppositionschef Jeremy Corbyn forderte eine Neuwahl. Johnson sei von weniger als 100.000 Parteimitgliedern der Konservativen unterstützt worden und habe nicht das Land hinter sich gebracht, schrieb der Labour-Politiker auf Twitter. Ein EU-Austritt ohne Abkommen bringe Jobverluste und steigende Preise. "Die Bevölkerung unseres Landes sollte in einer Parlamentswahl entscheiden, wer Premierminister wird", forderte er.

Vor seiner kurzen Zeit als Außenminister im Kabinett von Theresa May war Johnson Bürgermeister in London. Sein Nachfolger im Amt, der Labour-Politiker Sadiq Khan, warnte Johnson vor einem harten Brexit: "Ich werde nie damit aufhören, meine Meinung gegen die katastrophale Bedrohung des Brexits zu sagen", sagte Khan in London. In anderen Bereichen – etwa bei der Polizei oder im öffentlichen Verkehr – sollte man jedoch die Differenzen beilegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem künftigen britischen Premierminister Boris Johnson zu seiner Wahl gratuliert. Sie freue sich "auf eine gute Zusammenarbeit", sagte Merkel nach Angaben von Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Unsere Länder soll auch in Zukunft eine enge Freundschaft verbinden", betonte die Kanzlerin demnach.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat dem künftigen britischen Premierminister Boris Johnson Glückwünsche zu seinem Abstimmungserfolg ausrichten lassen. "Der Präsident will mit dem nächsten Premierminister so gut wie möglich zusammenarbeiten", sagte eine Sprecherin in Brüssel.

Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier machte unterdessen erneut klar, dass die EU die von Johnson geforderte Neuverhandlung des Austrittsabkommens ablehnt. "Wir freuen uns darauf, mit Boris Johnson nach seiner Amtsübernahme konstruktiv zusammenzuarbeiten, um die Ratifizierung des Austrittsabkommens zu erleichtern und um einen geregelten Brexit zu gewährleisten", schrieb er auf Twitter. Möglich sind nach Barniers Worten lediglich Änderungen an der politischen Erklärung zu den künftigen Beziehungen.

Deutsche Wirtschaft warnt vor hartem Brexit

Die Führung der AfD hat dem künftigen britischen Premierminister Boris Johnson eine "glückliche Hand" für einen raschen EU-Austritt gewünscht. Johnson habe bei der Urabstimmung um den Tory-Vorsitz "ein starkes Mandat erhalten, den Brexit entschlossen umzusetzen", erklärte Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland in Berlin.

Gaulands Co-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel zeigte sich "zuversichtlich, dass es ihm gelingen kann, die nun schon Jahre andauernde Hängepartie um den Brexit zügig zu beenden und für klare Verhältnisse zu sorgen". Sie warf der Europäischen Union mit Blick auf die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien "mangelnde Kompromissbereitschaft" vor. Dies habe "dazu geführt, dass nun ein harter Brexit sehr wahrscheinlich wird", sagte Weidel. Sie fügte hinzu: "Die EU-Granden bekommen somit den britischen Premierminister, den sie verdienen."

Auch die deutsche Wirtschaft warnte nach der Wahl Johnsons vor den Folgen eines harten EU-Austritts. "Mit der Wahl von Hardliner und Brexiteer Boris Johnson als Nachfolger von Theresa May wächst die Gefahr eines No-Deal-Brexits", erklärte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann. "Ein Brexit ohne ein Freihandelsabkommen wäre eine Katastrophe für Großbritannien und auch nicht wünschenswert für Europa."

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), sagte, der Brexit sei bereits jetzt eine große Belastung für die deutsche Wirtschaft. "Die neue britische Regierung hat immer noch die Chance, die negativen Folgen des Brexit für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals zu begrenzen. Die Unternehmen benötigen endlich einen klaren Fahrplan."

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) Joachim Lang sagte, die Wirtschaft brauche jetzt dringend eine Regierung im Vereinigten Königreich, die durchsetzbare Entscheidungen fälle. Johnson müsse sich für einen geordneten Übergang einsetzen.