Russisches Waffensystem - Türkei erhält russische Abwehrraketen Die ersten Teile russischer S-400-Raketen sind in der Türkei eingetroffen. Die USA befürchten ein Sicherheitsrisiko für ihre Kampfjets und haben Sanktionen angedroht. © Foto: Pool Turkish Defense Ministry/AP Photo

Trotz des Widerstands der USA hat die umstrittene Lieferung russischer S-400-Raketen an die Türkei begonnen. Das teilte das Verteidigungsministerium in Ankara mit. Wo genau die S-400 letztlich stationiert werden, ist nicht bekannt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte gesagt, das werde der Generalstab der Streitkräfte entscheiden. Die regierungskritische Zeitung Cumhuriyet berichtet, dass geplant sei, die Raketen bis zum 10. September in Betrieb zu nehmen.

Die russische Regierung bestätigte den Beginn der Auslieferung. Beide Vertragsparteien würden ihre Verpflichtungen "in vollem Umfang" erfüllen.

Die USA – ebenfalls Teil der Nato – hatten Sanktionen angedroht, sobald die S-400-Batterien vom türkischen Militär übernommen werden. Die Regierung in Washington befürchtet unter anderem, dass Russland über die empfindlichen Radare der S-400 an Daten über die Fähigkeiten der neuen US-Tarnkappenflugzeuge F-35 gelangt. Die Türkei ist Partner beim Bau der F-35 und soll etwa 100 Jets bekommen. Die USA drohen nun damit, die Türkei trotz bereits erfolgter Zahlungen von mehr als einer Milliarde Dollar Ende Juli aus dem F-35-Programm zu werfen.

Sanktionen der USA könnten die Türkei stark treffen. Im vergangenen Jahr hatten solche Strafmaßnahmen wegen eines in der Türkei festgehaltenen amerikanischen Pastors die türkische Wirtschaft und Währung schwer geschädigt.

Die Türkei intensiviert seit Tagen ihre Versuche, die Sorgen des Nato-Partners zu zerstreuen. Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte wiederholt, das System werde nur im Notfall eingesetzt. In der Zeitung Cumhuriyet hieß es zuvor, die S-400 werde mit einem unabhängigen Radar arbeiten und sei nicht mit anderen Systemen vernetzt.

"Wir sind besorgt"

"Wir sind besorgt über die möglichen Konsequenzen der Entscheidung der Türkei zum Kauf des S-400-Systems", sagte ein Nato-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Auch Deutschland hatte in der Vergangenheit die Türkei vor dem Kauf der Raketen gewarnt. Insgesamt hielten sich die NATO-Mitglieder bisher mit öffentlicher Kritik am Deal aber zurück. 

Einige befürchten, dass das Geschäft und der Konflikt mit den USA zu einer weiteren Annäherung zwischen der Türkei und Russland führen könnte – und damit zu einer Erosion des Bündnisses. Das Thema werde als bilaterale Angelegenheit behandelt. "Alle Seiten haben großes Interesse daran, dass die Allianz keinen Schaden nimmt", zitiert die Nachrichtenagentur dpa einen Nato-Diplomaten. Der türkische Sender Habertürk hatte berichtet, dass russische Techniker für den Aufbau schon seit Montag im Land seien.