Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi mehrere Menschen aus dem Mittelmeer an Bord genommen. 44 Personen seinen "in Kooperation mit maltesischen Behörden" von einem Holzboot gerettet worden, teilte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Ein maltesisches Marineschiff sei jetzt auf dem Weg, um die Menschen von der Alan Kurdi zu übernehmen und an Land zu bringen, heißt es weiter. Eine Bestätigung aus Malta gab es bisher nicht.

In einem weiteren Tweet schreibt die Organisation, dass unter den Geretteten vier Frauen und drei Kinder seien. Die Migranten hätten gesagt, "schon seit Samstag unterwegs zu sein". Auf See sei ihnen aber der Treibstoff ausgegangen.

Malta hatte sich nach langem Zögern am Sonntag schließlich bereit erklärt, 65 von Sea-Eye gerettete Migranten an Land zu lassen. Italien verweigerte der Alan Kurdi das Anlegen an seine Häfen. Auch Malta hatte das zunächst untersagt. Nach Übergabe der Migranten in Malta kehrte das Rettungsschiff in das Einsatzgebiet zurück.

Rettungseinsätze von privaten Seenotrettern endeten zuletzt immer wieder in langen Hängepartien oder mit der Beschlagnahmung von Rettungsschiffen. Besonders viel Aufmerksamkeit hatte der Fall der Kapitänin Carola Rackete bekommen, die mit dem Schiff Sea-Watch 3 und geretteten Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren war. Gegen sie wird in Italien ermittelt.

271 Menschen vor Marokko gerettet

Aufgrund der zunehmenden Blockade der Seeroute von Libyen nach Italien durch die örtliche Küstenwache in Abstimmung mit der EU versuchen viele Migranten über Marokko nach Europa zu kommen. Den Behörden des Landes zufolge seien in diesem Jahr bereits 25.000 Menschen daran gehindert worden, auf dem Seeweg nach Spanien zu gelangen.

Am vergangenen Wochenende sind nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Marokkos 271 Menschen aus Seenot gerettet worden, die in 18 Booten unterwegs gewesen sein sollen. Darunter befanden sich laut einem Militäroffizier 23 Frauen und drei unbegleitete Minderjährige. Am Freitag zuvor hatten die Behörden von der Rettung von 330 Menschen berichtet.

EU-Kommission fordert vorläufiges Verteilungssystem

Die EU-Kommission rief indes die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dazu auf, sich kurzfristig auf einen vorläufigen Verteilungsmechanismus für gerettete Migranten zu einigen. "Die Herausforderungen der Migration können nicht nur in der Verantwortung von Italien und Malta liegen, nur weil sich diese Staaten am Mittelmeer befinden", sagte der zuständige EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos der Welt.

"Bis die neuen reformierten Regeln zur Verteilung von Flüchtlingen nach dem sogenannten Dublin-System Realität werden, fordere ich alle EU-Mitgliedsländer auf, ihre Arbeit zu beschleunigen und vorläufige Vereinbarungen zu finden, wie mit den Menschen umzugehen ist, wenn sie die Rettungsschiffe verlassen haben", so Avramopoulos.

Nach den sogenannten Dublin-Regeln ist derjenige EU-Staat für Flüchtlinge zuständig, den sie zuerst erreichen. Dadurch werden Länder wie Italien, Griechenland und Malta besonders belastet. Bisher konnten sich die EU-Staaten aber nicht auf Vorschläge der EU-Kommission von 2016 einigen, in denen die Behörde eine Verteilung von Migranten in der EU nach einem fest vereinbarten Mechanismus vorschlägt. Dadurch hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Streit um die Aufnahme geretteter Migrantinnen und Migranten gegeben.