Im Tankerkonflikt mit dem Iran kommt das britische Krisenkabinett erneut zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Das Gremium werde am Vormittag unter dem Vorsitz von Premierministerin Theresa May über die "Wahrung der Sicherheit für die Schifffahrt im Persischen Golf" beraten, teilte Mays Büro mit. Der britische Außenminister Jeremy Hunt hatte zuvor mit Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und dem französischen Chefdiplomaten Jean-Yves Le Drian telefonisch über das Thema beraten.

Laut des britischen Verteidigungsministeriums prüft die Regierung eine "Reihe von Optionen". So wird nach Angaben von britischen Medien erwogen, Vermögen des iranischen Staates einzufrieren. Über die möglichen Maßnahmen soll bei dem dritten Treffen des Nationalen Sicherheitsrats (Cobra) in London beraten werden, bei dem erstmals auch Premierministerin Theresa May dabei sein wird.

Hintergrund ist die Festsetzung des unter britischer Flagge fahrenden Öltankers Stena Impero. Dieser war von den Iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus abgefangen worden. Grund sei "ein illegitimer Wirtschaftskrieg" gegen den Iran und die Festsetzung eines iranischen Schiffs im britischen Überseegebiet Gibraltar. Zudem gibt es den Vorwurf, der Tanker habe gegen internationale Schifffahrtsregeln verstoßen und sei mit einem Fischkutter zusammengestoßen. Der britische Diplomat Jonathan Allen wies das zurück: "Es gibt keine Hinweise dafür. Selbst wenn es so passiert wäre, würde die Schiffsposition in den Hoheitsgewässern des Omans bedeuten, dass der Iran keine Erlaubnis hatte, die Stena Impero aufzubringen", schrieb er in einem Brief an den Vorsitzenden des UN-Sicherheitsrats, Gustavo Meza-Cuadra.

Die schwedische Reederei des Öltankers, Stena Bulk, bemüht sich, die Besatzung besuchen zu können. Bislang gebe es dazu noch keine Antwort des Irans, hieß es. Die Stena Impero wird im südiranischen Hafen von Bandar Abbas festgehalten. Den 23 Besatzungsmitgliedern geht es laut Reederei den Umständen entsprechend gut.

Bislang lässt die britische Regierung offen, welche Strafmaßnahmen geprüft werden. Außenminister Jeremy Hunt – der im Rennen um das Amt des Premierministers Boris Johnson herausfordert – hatte betont, Großbritannien wolle keine militärische, sondern eine diplomatische Lösung des Konfliktes. Das Ziel sei Deeskalation. Mit seinen französischen und deutschen Kollegen sei er sich einig, dass eine freie Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus für die europäischen Staaten "oberste Priorität" habe. Zugleich müsse jede "mögliche Eskalation" vermieden werden.

Die außenpolitische Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des Streits um den Brexit und des bevorstehenden Rücktritts der konservativen Regierungschefin May. Der auch in der eigenen Partei umstrittene frühere britische Außenminister Johnson wird wohl Mays Posten übernehmen.