Großbritannien und die USA haben dem Iran mit ernsten Konsequenzen gedroht, nachdem die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) kurz hintereinander zwei britische Tanker festgesetzt haben; nur einer wurde wieder freigegeben. Die britische Regierung bestellte am Samstag den iranischen Geschäftsträger in London ein, wie das Außenministerium in London mitteilte. Der Geschäftsträger ist der höchstrangige diplomatische Gesandte des Iran in Großbritannien, seit die iranische Botschaft in London 2011 geschlossen.

Der vom Iran festgesetzte britische Öltanker Stena Impero sei in den Gewässern des Omans gestoppt worden, berichtet der Nachrichtensender Sky News. Die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt habe den Vorfall daher als "feindliche Handlung" eingestuft.

Deutschland und Frankreich forderten die unverzügliche Freigabe des Schiffes. Der britische Außenminister Jeremy Hunt warnte Iran davor, einen "gefährlichen Pfad von illegalem und destabilisierendem Verhalten" einzuschlagen. Großbritannien riet britischen Handelsschiffen vorerst davon ab, die Straße von Hormus zu passieren.

Nach den Vorfällen in der Golfregion tritt in Großbritannien der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) zum zweiten Mal zusammen. Das Treffen solle noch am Samstagnachmittag stattfinden. Bereits am Freitagabend hatte es ein Cobra-Treffen in London gegeben. 

Der einflussreiche iranische Wächterrat hatte die Beschlagnahmung mit der Festsetzung eines iranischen Schiffs im britischen Überseegebiet Gibraltar begründet. Angesichts des "illegitimen Wirtschaftskriegs" gegen den Iran und der Beschlagnahmung seiner eigenen Öltanker habe der Iran die richtige Entscheidung getroffen, sagte Ratssprecher Abbas Ali Kadchodaei laut einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. 

Der iranische Wächterrat kommentiert Angelegenheiten wie diese nur selten. Wenn er es doch tut, werden seine Aussagen mit jenen des Obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei gleichgesetzt, der in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort hat. Zuvor hatte es aus Teheran geheißen, der Iran habe das Schiff Stena Impero in einen iranischen Hafen eskortiert, weil es ein kleineres iranisches Fischerboot gerammt und internationale Schifffahrtsgesetze missachtet habe.

Das Staatsfernsehen veröffentlichte am Samstag Bilder von der Stena Impero, die nahe dem Hafen von Bandar Abbas vor Anker lag. An Bord waren 23 Besatzungsmitglieder, 18 von ihnen aus Indien, der Rest aus Russland, Lettland und den Philippinen. 

Nur wenige Stunden vor der Beschlagnahmung des Schiffs hatte das oberste Gericht im britischen Überseegebiet Gibraltar entschieden, einen mit iranischem Öl beladenen Tanker vier weitere Wochen festzuhalten. Britische Marineinfanteristen hatten den Supertanker unter dem Verdacht geentert, er transportiere iranisches Öl nach Syrien. Das wäre ein Verstoß gegen EU-Sanktionen, die gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad verhängt wurden.

Als Reaktion auf den Vorfall gab die Regierung von US-Präsident Donald Trump bekannt, Soldaten nach Saudi-Arabien, einem Feind des Iran, zu verlegen. Nach Informationen von US-Medien geht es um bis zu 500 Soldaten. Die Verlegung dient nach Angaben des US-Zentralkommandos der Abschreckung. Saudi-Arabien hatte die Stationierung zuvor begrüßt.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt sprach am Samstag von einem riskanten Manöver der iranischen Revolutionsgarden. Die Aktion am Freitagabend deute darauf hin, dass der Iran einen "gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens" beschreite, schrieb Hunt auf Twitter. Über mögliche Gegenmaßnahmen wollte das Außenministerium in London auf Anfrage keine Auskunft geben.

"Ein nicht zu rechtfertigender Eingriff"

Deutschland und Frankreich äußerten sich solidarisch mit Großbritannien. "Die Bundesregierung verurteilt die Festsetzung von zwei Handelsschiffen im Golf auf das Schärfste", erklärte ein Sprecher des Berliner Außenministeriums am Samstag. "Dies ist ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die zivile Schifffahrt, der eine ohnehin angespannte Lage gefährlich weiter verschärft."

Der neue Zwischenfall am Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Der Preis für einen Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent legte zuletzt um 1,14 US-Dollar auf 63,07 Dollar zu.

Das US-Militär teilte mit, es habe Aufklärungsflugzeuge in der Region im Einsatz, die im internationalen Luftraum operierten. Die Vereinigten Staaten treiben derzeit eine militärische Initiative namens Operation Sentinel zum Schutz von Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Erst am Donnerstag hatte Trump erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem.

Trump hatte im Mai 2018 das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt und danach harte Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik verhängt, die das Land von den Finanz- und Ölmärkten abschneiden sollen. Die USA und der Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.