Nachdem der Iran einen britischen Tanker beschlagnahmt hat, schickt Großbritannien ein zweites Kriegsschiff zum Schutz seiner Handelsflotte in die Straße von Hormus. Das Verteidigungsministerium in London teilte mit, dass die Duncan für die Sicherheit britischer Handelsschiffe sorgen werde. Am Donnerstag hatte Großbritannien seine Marine angewiesen, seine Handelsschiffe auf der wichtigen Seeroute zu eskortieren. Bereits vor Ort ist die Fregatte Montrose.

Am 19. Juli hatte der Iran den britischen Tanker Steno Impera beschlagnahmt. Zuvor hatte Großbritannien den iranischen Öltanker Grace 1 vor Gibraltar aufgebracht. Es warf dem Iran vor, mit dem Tanker Syrien zu beliefern und damit Sanktionen zu unterlaufen. Einen Austausch der jeweils festgehaltenen Tanker lehnt der neue Außenminister Dominic Raab ab: "Es gibt kein Quidproquo", sagte er der BBC. "Es geht hier nicht um einen Tauschhandel."

Die britische Regierung wirbt seit der Eskalation für eine europäische Marinemission zur Sicherung des Seeverkehrs in der Golfregion. Die Bundesregierung hat sich bislang nicht auf eine deutsche Beteiligung an einer möglichen Marinemission festgelegt. Die neue Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht grundsätzlich aus.

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), hat sich hingegen deutlich für eine deutsche Beteiligung an einer möglichen EU-Mission ausgesprochen. Sollte ein Marineeinsatz tatsächlich einen Beitrag zur Lösung des Problems leisten können, könne "Deutschland nicht einfach sagen, wir machen nicht mit, wenn andere Länder ihre Schiffe entsenden", sagte Hardt im ZDF-Morgenmagazin. Bei einer Aufklärungsmission könnte Deutschland "einen sinnvollen Beitrag leisten".

Wichtig sei, eine eigene Einschätzung der Lage zu bekommen und zu beurteilen, ob es in der Straße von Hormus zu Verstößen gegen internationale Regeln komme, sagte Hardt. Der Aufklärungseinsatz könnte über Satellit, aus der Luft oder mit Schiffen erfolgen. Deutsche Schiffe könnten "vielleicht eines Tages in Ergänzung oder als Ersatz für ein anderes EU-Schiff" entsandt werden. Auch der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sprach sich am Wochenende für ein deutsches Engagement aus.

Bislang sperren sich vor allem die Bundestagsabgeordneten der SPD gegen einen weiteren Bundeswehreinsatz. Der SPD-Politiker Nils Schmid sagte etwa der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Ein Mandat für deutsche Militäreinheiten an der Straße von Hormus steht nicht zur Debatte." Allerdings gibt es auch international für einen Einsatz bislang keine Beschlüsse, obwohl mehrere Länder ihre Bereitschaft signalisiert haben.

"Die Schifffahrtsfreiheit in der Straße von Hormus ist nicht nur für das Vereinigte Königreich von entscheidender Bedeutung, sondern auch für unsere internationalen Partner und Verbündeten", teilte Verteidigungsminister Ben Wallace am Sonntag mit. London bemühe sich im Konflikt mit dem Iran weiter um eine diplomatische Lösung, betonte Wallace. Bis es zu einer solchen Lösung komme, werde die britische Marine "weiterhin die Sicherheit britischer Schiffe gewährleisten", erklärte der Minister.

Großbritannien hat derzeit außerdem mehrere kleinere Schiffe in der Golfregion. Die Montrose hat nach Angaben der britischen Marine in den vergangenen Wochen 35 Schiffe durch die Meerenge eskortiert.