Südkoreas Streitkräfte haben nach Behördenangaben 360 Warnschüsse gegen ein russisches Aufklärungsflugzeug abgegeben, das den Luftraum des ostasiatischen Landes verletzt habe. Die russische Maschine sei am Dienstagmorgen in den Luftraum des Landes vor der Ostküste nahe der Liancourt-Felsen eingedrungen, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Nach Berichten südkoreanischer Medien handelte es sich um einen russischen Bomber.

Laut dem Verteidigungsministerium in Seoul sind zwei Bomber vom Typ TU-95 und ein Aufklärungsflugzeug vom Typ A-50 in die Luftraumüberwachungszone einer Inselgruppe geflogen, die von Südkorea kontrolliert, aber auch von Japan beansprucht wird. In diese Zone, die nicht zum Luftraum eines Landes gehört, seien auch zwei chinesische Kampfflugzeuge geflogen. Ob es sich um ein gemeinsames Manöver der russischen und chinesischen Streitkräfte handelte, war zunächst unklar. 

Das russische Aufklärungsflugzeug sei ein erstes Mal um 9 Uhr Orstzeit (2 Uhr MESZ) für drei Minuten und nach einer halben Stunde erneut für vier Minuten über die vorgelagerte Überwachungszone hinaus in den südkoreanischen Luftraum eingedrungen. Das sagte ein Militärvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Laut dem südkoreanischen Verteidigungsministerium haben die Luftstreitkräfte als Reaktion auf den Vorfall eigene Kampfjets gestartet, die die Warnschüsse abfeuerten, sagte der Sprecher. Offiziellen Angaben zufolge ist es der erste derartige Zwischenfall zwischen den beiden Ländern.

Außenministerium und Generalstab in Seoul bestellten die Botschafter und Militärattachés Moskaus und Pekings ein und überreichten ihnen Protestnoten. Der Sicherheitsberater des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, Chung Eui Yong, sagte dem russischen Gesandten Nikolai Patruschew, Südkorea nehme den Vorfall sehr ernst und werde bei einem weiteren Vorkommnis dieser Art stärkere Maßnahmen ergreifen, teilte das Präsidialamt mit.

Russland bestreitet den Vorfall

Das russische Außenministerium bestreitet den Vorfall, der geplante Flug zweier russischer Bomber sei über neutralen Gewässern des Japanischen Meeres durchgeführt worden. Es seien auch keine Warnschüsse von südkoreanischen Kampfjets abgegeben worden. "Wenn russische Piloten eine Sicherheitsbedrohung verspüren würden, würde die Antwort nicht lange auf sich warten lassen", hieß es aus dem Ministerium.

Südkorea hatte 2013 erklärt, seine eigene "Identifikationszone zur Luftverteidigung" (ADIZ) in südlicher Richtung zu erweitern. Diese ergänzt den Luftraum eines Landes über die Hoheitsgewässer hinaus, gehört aber nicht zum Hoheitsgebiet eines Landes. Hintergrund war damals der Streit um Gebietsansprüche im Ostchinesischen Meer. Seitdem gab es häufig Verletzungen der Zone durch russische und chinesische Flugzeuge. 

Die Beziehungen zwischen Moskau und Seoul sind historisch belastet. Die Sowjetunion unterstützte im Koreakrieg von 1950 bis 1953 den Norden. 1983 schoss ein russischer Kampfjet ein südkoreanisches Passagierflugzeug ab, das irrtümlich in den Luftraum der damaligen Sowjetunion geflogen war. Diplomatische Beziehungen wurden erst 1990, ein Jahr vor dem Zerfall der Sowjetunion, aufgenommen.