Der Süden Syriens ist nach Angaben von Staatsmedien und Aktivisten Ziel israelischer Raketenangriffe geworden. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, die Raketen seien in der Nacht auf das Gebiet Tall al-Hara abgefeuert worden, einem Berg in der Provinz Daraa südlich der Hauptstadt Damaskus und unweit der von Israel besetzten Golanhöhen. Durch diese "israelische Aggression" sei es zu Sachschäden gekommen, hieß es.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von Angriffen auf militärische Stützpunkte der syrischen Regierungstruppen und ihrer Verbündeten wie der schiitischen Hisbollah-Miliz. Es habe "menschliche Verluste" gegeben, erklärte die Beobachtungsstelle, ohne genauere Angaben zu machen.

Die syrische Luftabwehr habe mehrere Raketen abgefangen, andere Raketen hätten ihr Ziel dagegen getroffen, erklärte die in Großbritannien ansässige Organisation, deren Angaben objektiv nicht überprüfbar sind. Neben Tall al-Hara seien zwei weitere Gebiete attackiert worden.

Hisbollah und Syriens Armee gezielt angegriffen

Israel hat seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien zahlreiche Luftangriffe auf Ziele im Nachbarland geflogen. Die Angriffe galten zumeist Stützpunkten des mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad verbündeten Iran und der Hisbollah-Miliz. Israel befürchtet einen wachsenden Einfluss seines Erzfeinds Iran in Syrien und begründet die Raketenangriffe mit seinem Recht auf Selbstverteidigung.

Bereits Mitte Juni war die Region von Tall al-Hara Ziel israelischer Luftangriffe geworden. Die Hisbollah soll dort laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte Radars errichtet haben. Syrische Regierungstruppen sollen Luftabwehrraketen aufgestellt haben.

"Schockierende Eskalation" in Idlib

Derweil halten auch in anderen Teilen Syriens die Kämpfe an. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wurden bei den Luftangriffen auf das Rebellengebiet um die Stadt Idlib im Nordwesten des Bürgerkriegslandes allein am Montag mindestens 59 Zivilisten getötet und mehr als 100 verletzt. Es habe sich um eine der schlimmsten Bombardierungen in den vergangenen drei Monaten gehandelt, teilte das UN-Nothilfebüro (Ocha) in Syrien mit. Es sprach von einer "schockierenden Eskalation".

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und Aktivisten machten die Regierung in Damaskus und deren Verbündeten Russland für die Luftangriffe verantwortlich. Die Führung in Moskau wies die Vorwürfe indes zurück.

Die Region um Idlib wird von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) dominiert. Syrische Regierungsanhänger hatten Ende April mit einer Bodenoffensive begonnen, konnten bisher aber kaum Geländegewinne erzielen. Luftangriffe richteten sich mehrfach gegen Krankenhäuser und andere zivile Infrastruktur. In dem Gebiet leben rund drei Millionen Menschen, etwa die Hälfte davon sind Vertriebene. Hilfsorganisationen beklagen eine dramatische humanitäre Lage.