Die USA fordern von Deutschland, Soldaten in den Nordosten Syriens zu entsenden. "Wir wollen von Deutschland Bodentruppen, um unsere Soldaten teilweise zu ersetzen", sagte der Beauftragte der US-Regierung für Syrien und für den Kampf gegen die IS-Miliz, James Jeffrey. Dabei solle es nicht primär um einen Kampfeinsatz gehen: "Den IS kann man besser mit syrischen Ortskräften zurückdrängen. Aber man braucht eine bestimmte internationale Präsenz, um die Luftunterstützung sicherzustellen, für Logistik, Ausbildung und technische Hilfe", sagte Jeffrey. Die angestrebte Mission solle einen Beitrag zur Stabilität in Nordostsyrien leisten.

Trotzdem wäre es bei einem Einsatz deutscher Bodentruppen nicht ausgeschlossen, dass sie in Kampfhandlungen verwickelt würden. Eine konkrete Zahl deutscher Soldaten wurde laut Jeffrey nicht angefragt. Insgesamt würden aber Hunderte benötigt.

US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember angekündigt, die etwa 2.000 US-Soldaten aus Nordost-Syrien abzuziehen. Sie unterstützen dort das oppositionelle Militärbündnis SDF, dem die Kurdenmiliz YPG, aber auch andere Rebellengruppen, angehören. Im März hatten SDF-Einheiten die letzte IS-Bastion in Syrien eingenommen. Die Dschihadisten sind aber weiter im Untergrund aktiv.

Einsatz von Bodentruppen wäre heikel

Die USA haben zwar inzwischen angekündigt, doch bis zu 400 Soldaten in Nordostsyrien lassen zu wollen, um die Sicherheit in den Kurdengebieten zu stabilisieren. Sie appellieren aber gleichzeitig an ihre 80 Verbündeten aus der Anti-IS-Koalition, darunter Deutschland, sie stärker zu unterstützen. Am Freitag war Jeffrey in Berlin, um für sein Anliegen zu werben. "Wir suchen hier und unter den anderen Koalitionspartnern Freiwillige, die mitmachen wollen", sagte der Sondergesandte nach seinen Gesprächen. "Wir glauben, dass wir am Ende Erfolg haben werden."

Deutschland ist an der Anti-IS-Koalition bisher mit Aufklärungsflugzeugen, einem Tankflugzeug und Ausbildern im Irak beteiligt. Die Flugzeuge fliegen von Jordanien aus. Eigentlich sollte ihr Einsatz am 31. Oktober auslaufen. Bei einem Irak-Besuch hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) Anfang Juni aber deutlich gemacht, dass die Bundesregierung nun doch zu einer Verlängerung bereit ist. "Auf jeden Fall ist das Mandat (...) zurzeit noch absolut unabdingbar, um zu verhindern, dass der IS im Untergrund neue Strukturen aufbaut und damit in die Lage versetzt wird, weiter zu agieren", sagte er.

Die Entscheidung liegt aber beim Bundestag, der frühestens im September darüber beraten wird. Der Einsatz von Bodentruppen der Bundeswehr wäre aus zwei weiteren Gründen heikel: Zum einen sieht der Nato-Partner Türkei in der Kurdenmiliz YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Kurden wiederholt mit einer Offensive gedroht. Zum anderen ist auch der Iran in den syrischen Bürgerkrieg involviert. Damit besteht die Gefahr, dass Truppen der Anti-IS-Koalition in die Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran verwickelt werden.