Mateusz Morawiecki hatte zur Begrüßung Ursula von der Leyens eine kurze, aber durchaus frohe Botschaft vorbereitet. Eine "neue Zeit" breche nun an, sagte Polens rechtskonservativer Regierungschef gleich mehrfach, als er die künftige Präsidentin der EU-Kommission in seinem Warschauer Amtssitz zum Antrittsbesuch empfing. Man sei kompromissbereit und hoffe auf eine "neue Offenheit" in den Beziehungen zu Brüssel.

Zumindest vor den Kameras erfüllte von der Leyen die Erwartung ihres Gastgebers. In ihrer Antwort schlug sie einen Tonfall an, den man in Warschau von EU-Vertretern lange nicht mehr gehört hatte. Die Deutsche forderte gegenseitigen Respekt ein, was in diesem Fall nur heißen konnte: mehr Respekt für Polen. "Wir stehen auf derselben Seite", betonte sie und fügte einige persönliche Erinnerungen an. Ihr Vater, der frühere niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, habe als einer der ersten Politiker in der Bundesrepublik die Oder-Neiße-Grenze anerkannt. Und: "Ich werde niemals die Bewunderung und die Wertschätzung vergessen, die in uns die Freiheitsbewegung Solidarność geweckt hat."

Solche Bekundungen hören die Menschen im geschichtsbewussten Polen gern. Doch von der Leyens Bekenntnisse gingen weit über diplomatische Streicheleinheiten hinaus. Sie versicherte ausdrücklich, wie wichtig es ihr nach ihrer knappen Wahl zur neuen Präsidentin der EU-Kommission gewesen sei, nach Stationen in Berlin und Paris sofort nach Warschau zu reisen. Polen sei "ein zentrales Land in Europa", dessen Rolle es zu würdigen gelte.

Respekt und Bewunderung, Wertschätzung und Würdigung: Das waren in den vergangenen Jahren tatsächlich nicht die Vokabeln, die Brüsseler Emissäre bei Besuchen in Warschau verwendeten. Vor allem der niederländische Sozialdemokrat Frans Timmermans, der bislang als Vizepräsident der EU-Kommission für Fragen der Rechtsstaatlichkeit zuständig war, setzte eher auf Konfrontation mit Polens regierenden Nationalkonservativen um den PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński.

2016 leitete Timmermans, zum ersten Mal in der Geschichte der EU, ein Rechtsstaatsverfahren nach Artikel 7 des Lissabon-Vertrags ein. Damals war die PiS-Regierung gerade zwei Monate im Amt. Die kurze Zeit hatte sie allerdings für einen Frontalangriff auf die Demokratie in Polen genutzt. So zumindest werteten Timmermans und auch die Opposition in Warschau die Versuche der PiS, die Justiz samt Verfassungsgericht und die Staatsmedien unter Regierungskontrolle zu stellen. Es folgte ein zähes, von scharfen Attacken und Ultimaten geprägtes Ringen zwischen Timmermans und der polnischen Regierung, das letztlich zu einer Verhärtung der Positionen führte.