US-Präsident Donald Trump hat dem britischen Botschafter nach der Enthüllung vertraulicher Berichte über die amerikanische Regierung Versagen vorgeworfen. Kim Darroch habe "dem Vereinigten Königreich nicht gut gedient", sagte Trump. Zuvor hatte die britische Zeitung Mail on Sunday über geheime Briefings Darrochs an das Außenministerium in London berichtet, in denen sich der Botschafter negativ über die Arbeitsweise der Regierung in Washington äußert – auch mit Blick auf Trumps Außenpolitik.

"Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird; weniger dysfunktional; weniger unberechenbar; weniger gespalten; weniger diplomatisch plump und ungeschickt", schrieb Darroch demnach in einer Depesche. Trump wird dem Bericht zufolge als "unsicher" und "inkompetent" beschrieben.

Die Iran-Politik des US-Präsidenten soll Darroch als "sprunghaft, chaotisch" bezeichnet haben. Trump war im vergangenen Jahr aus dem 2015 mit dem Iran vereinbarten Atomabkommen ausgestiegen, das das Land an der Entwicklung einer Nuklearbombe hindern soll. Botschafter Darroch schrieb, er glaube Trumps öffentlicher Erklärung nicht, wonach dieser im Juni wegen der womöglich hohen zivilen Opferzahl einen schon beschlossenen Militärschlag gegen den Iran in letzter Minute abgesagt habe. Vielmehr habe den Präsidenten die Sorge umgetrieben, dass ein solcher Schritt sich 2020 negativ auf seine Wiederwahlchancen ausgewirkt hätte. 

Er hege Zweifel, ob das Weiße Haus "jemals kompetent wirken" werde, schrieb Darroch. Mit Trump könne man sich nur verständigen, indem man sich mit einfachen Worten und unverblümt ausdrücke.

Echtheit wird nicht angezweifelt

Die publik gewordenen diplomatischen Berichte und Memos reichen bis ins Jahr 2017 zurück. Das britische Außenministerium stellte die Echtheit der Vermerke nicht infrage. Eine Sprecherin sagte, Botschafter würden dafür bezahlt, "dass sie ehrlich sind" und Minister mit einer "aufrichtigen, ungeschminkten Einschätzung der Politik in ihrem Land versorgen".

Außenminister Jeremy Hunt, der neben Ex-Außenminister Boris Johnson möglicher Nachfolger von Premierministerin Theresa May ist, distanzierte sich aber von der Einschätzung des Botschafters. Die US-Regierung bleibe unter Trump "höchst effektiv und der bestmögliche Freund Großbritanniens auf der internationalen Bühne". Bei den Einschätzungen Darrochs handle es sich um "persönliche Meinungen". Das Ministerium kündigte eine Untersuchung zu der Frage an, wie die Inhalte der Memos bei der Presse landen konnten.

Premierministerin Theresa May gibt Darroch Rückendeckung

Großbritanniens Premierministerin May gab Darroch Rückendeckung. Es sei die Aufgabe von Botschaftern, ehrliche und ungeschminkte Einschätzungen zu geben, selbst wenn diese nicht unbedingt die Ansicht der Regierung widerspiegelten. May sagte, sie habe vollstes Vertrauen in den langjährigen Diplomaten.

Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten. Er trat seinen Posten in Washington im Januar 2016 an.

Trump hat inzwischen auf Twitter verkündet, er wolle sich nicht mehr mit dem Botschafter befassen. Dabei äußerte er auch Kritik an May. Wie sie mit dem Brexit umgegangen ist, habe er stets kritisch gesehen, schrieb der US-Präsident. Er beschrieb die Arbeit von May und ihren Vertretern als "Durcheinander". Trump fügte hinzu: "Ich sagte ihr, wie es gemacht werden sollte, aber sie beschloss, einen anderen Weg zu gehen."