Wer Donald Trump in den vergangenen Jahren abgeschrieben hat, wurde stets eines Besseren belehrt. Als er 2015 seine Kandidatur bekannt gab, hieß es zunächst, er habe keine Chance auf die Nominierung der Republikaner. Nachdem er alle innerparteilichen Gegner abgehängt hatte, waren die meisten Politikexperten überzeugt, dass er gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verlieren würde. Nach Trumps Wahlsieg prognostizierten die Kommentatoren schließlich, dass die Russland-Ermittlungen Trump in die Enge treiben würden.

Nichts davon ist eingetreten. Zweieinhalb Jahre nach Beginn seiner Präsidentschaft hat Trump das Amt fester denn je im Griff. Am Sonntag erst bescheinigte eine Umfrage ihm den höchsten Zustimmungswert seiner Amtszeit: 44 Prozent der Wählerinnen und Wähler sind mit ihrem Präsidenten zufrieden, 53 Prozent nicht.

Das klingt zunächst nicht besonders beeindruckend, doch gerade in den möglicherweise wahlentscheidenden Swing-States des Mittleren Westens ist der Amtsinhaber überdurchschnittlich beliebt. Die Trump-kritische Washington Post, die die Umfrage in Auftrag gegeben hat, sieht ihn im Rennen um die Wiederwahl vorn.

Gute Wirtschaftsdaten helfen Trump

In der Tat spricht derzeit vieles für einen erneuten Wahlsieg des New Yorker Geschäftsmannes. Die Wirtschaftsdaten etwa sehen gut aus. Die Arbeitslosigkeit liegt bei nur 3,7 Prozent. Auch wenn vermutlich die noch immer andauernde Erholung der Wirtschaft nach der Finanzkrise 2008 für den Boom verantwortlich ist und nicht so sehr die Politik des Präsidenten: Die Wählerinnen und Wähler bewerten Trumps Wirtschaftsbilanz laut Umfragen überwiegend positiv.  

Außerdem hat der Präsident in den vergangenen Jahren durchaus Glaubwürdigkeit bewiesen. Wie angekündigt startete er einen Handelskrieg mit China, der zwar Konsumentinnen und Konsumenten belastet, aber in beiden politischen Lagern und unter einem Großteil der Bevölkerung Zustimmung genießt.

Für den angekündigten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko nahm der US-Präsident einen wochenlangen Teilstillstand der Regierung in Kauf und erließ einen nationalen Notstand. Man mag Trumps Ziele ablehnen, doch sein Durchhaltevermögen ist bemerkenswert. Für die meisten US-Amerikaner hat seine Amtsführung zudem bisher kaum negative Auswirkungen gehabt. Die Härten von Trumps Politik bekommen hauptsächlich die Migrantinnen und Migranten zu spüren, die unter menschenunwürdigen Bedingungen an der Grenze festgehalten oder deportiert werden.

Die Schwäche der Demokraten

Dass es für Trump aktuell gut aussieht, liegt aber nicht nur an seiner Stärke, sondern auch an der Schwäche der Demokraten, die seit Jahrzehnten Politik gegen die Interessen der Arbeiterschaft machen. Der demokratische Präsident Bill Clinton sorgte mit der Unterzeichnung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta dafür, dass vor allem Jobs für Nichtakademiker wegfielen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise lehnte der frisch gewählte Präsident Barack Obama Bürgschaften für verschuldete Hausbesitzer ab, nachdem seine Berater ihm davon abrieten. Millionen US-Amerikaner verloren ihr Wohneigentum, während die Finanzindustrie mit öffentlichen Geldern gerettet wurde.

2016 kumulierte diese Entwicklung in der Nominierung Hillary Clintons, die mit ihrer von wohlhabenden Investoren finanzierten Wahlkampagne kaum sozialpolitische Forderungen erhob, wenn man einmal von ihren eher halbherzigen Gleichstellungsforderungen für Frauen und Minderheiten absieht. Trump positionierte sich dagegen sozialpolitisch links von den meisten republikanischen Kandidaten, indem er sich zur staatlichen Rentenversicherung und zur öffentlichen Krankenversicherung für Senioren bekannte.

Clintons Niederlage hätte ein Weckruf für die Demokraten sein können. Man hätte sich als Arbeiterpartei neu erfinden und sich in dem von Trump aufgewirbelten politischen Umfeld mit einem klaren wirtschafts- und sozialpolitischen Linkskurs profilieren können. Die Vorlage dafür hatte 2016 schon der Sozialist Bernie Sanders geliefert, der mit radikalen Forderungen nach einem Mindestlohn in Höhe von 15 Dollar und einer allgemeinen Krankenversicherung im Vorwahlkampf große Erfolge gegen Clinton verbuchen konnte.