Die 40 aus dem Mittelmeer geretteten Migranten sind nach vier Tagen an Bord des deutschen Schiffs Alan Kurdi am Sonntagmorgen in Malta an Land gegangen. Die Regierung in Valletta gab nach eigenen Angaben ihr Einverständnis, nachdem sich mehrere EU-Staaten zur Aufnahme der Geflüchteten bereit erklärt hatten.

Die Menschen auf der Alan Kurdi nahmen die Ankündigung von Einsatzleiterin Barbara Held mit Applaus und Jubel auf. "Beinahe wären sie alle gestorben. Jetzt feiern sie das Leben", schrieb die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye am Samstagabend auf Twitter. "Mögen sie in ihrer neuen Heimat offene Arme und Herzen finden."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich erfreut über die Entscheidung: Malta habe ein wichtiges Signal der Solidarität gesetzt: "Wir gehen einen weiteren Schritt in die richtige Richtung." Die Entscheidung Maltas sei ein hoffnungsvolles Zeichen für den Versuch, im September eine Vereinbarung mehrerer europäischer Staaten für die Aufnahme von Schiffbrüchigen zu erzielen.

Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat sagte, die Entscheidung, die Migranten an Land gehen zu lassen, sei ein Zeichen des guten Willens. Die Bundesregierung habe Malta kontaktiert und um eine Einigung gebeten. Ihr sei bewusst gewesen, dass Malta nicht dafür zuständig sei, "aber wir empfinden es als unsere Verantwortung, zusammenzuarbeiten".

Details zu den Aufnahmeländern gibt es derzeit nicht. Keiner der Migranten bleibe in Malta, sagte Muscat. Sie werden laut einer Vereinbarung zwischen der deutschen Regierung und der EU-Kommission auf andere EU-Staaten verteilt. Die geretteten Menschen kommen zum größten Teil aus Kamerun und der Elfenbeinküste.

Vor Libyens Küste gerettet

Das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye hatte die 40 Menschen vor wenigen Tagen aus dem Mittelmeer vor der libyschen Küste gerettet. Die Alan Kurdi hatte zunächst vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa auf eine Lösung gewartet und Italiens Verbot der Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer respektiert. Die Retter hatten aber darum gebeten, die besonders schutzbedürftigen Passagiere an Land zu bringen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini warf daraufhin der deutschen Regierung "Erpressung" vor. Salvini sagte dem italienischen Sender Sky tg24, die Regierung in Berlin habe die Aufnahme von 30 Geretteten des italienischen Patrouillenboots Gregoretti an die Bedingung geknüpft, dass die 40 Migranten der Alan Kurdi in Italien an Land dürften.

Nachdem Italien dem Schiff die Einfahrt verwehrt hatte, nahm die Alan Kurdi Kurs auf Malta. Sea-Eye hatte Malta dazu aufgerufen, das Rettungsschiff anlegen zu lassen.

Während für die Passagiere der Alan Kurdi nun eine Lösung gefunden wurde, harrt ein Rettungsschiff der Hilfsorganisation Proactiva weiter auf dem Mittelmeer aus. Die spanische Open Arms hatte mehr als 120 Menschen vor Libyen gerettet. Italien hatte auch diesem Schiff mitgeteilt, dass es nicht anlegen dürfe. Drei Frauen, darunter zwei Schwangere, durften jedoch in Italien an Land gehen.