Die Bundesregierung will wegen der Waldbrände im Amazonas-Gebiet nicht das Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsstaatenbündnis Mercosur blockieren. Das Abkommen enthalte "ein ambitioniertes Nachhaltigkeitskapitel mit verbindlichen Regelungen zum Klimaschutz", sagte ein Regierungssprecher. Ein "Nichtabschluss" sei daher "nicht die geeignete Antwort auf das, was derzeit in Brasilien geschieht".

Das Abkommen, auf das sich die EU Ende Juni mit den vier Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay  geeinigt hatte, stehe für "offenen und fairen Welthandel mit hohen Umwelt- und Sozialstandards", sagte der Regierungssprecher. Diese seien für die Bundesregierung "von essentieller Bedeutung". 

Der Amazonas-Regenwald sei "von herausragender Bedeutung für Klimaschutz und Artenvielfalt". Eine Abkehr vom Mercosur-Abkommen leiste jedoch keinen Beitrag dazu, dass in Brasilien weniger Regenwald gerodet werde, sagte der Sprecher weiter. Die Bundesregierung stehe "bereit, Brasilien bei den Bemühungen zur raschen Bewältigung dieser schweren Krise zu unterstützen".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor eine Blockade des Abkommens angekündigt. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Staatschefs sagte zur Begründung, Macron sei zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ihn über seine Umweltschutzabsichten belogen habe. "Unter diesen Umständen lehnt Frankreich das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form ab."

Kritik am Mercosur-Abkommen gibt es schon länger

Die französische Regierung sieht das Handelsabkommen schon länger kritisch und hatte sich auch Anfang Juli gegen eine rasche Ratifizierung des Vertrags zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten ausgesprochen. Zusätzlich hatte Frankreich Garantien etwa für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes verlangt.

Irlands Regierungschef Leo Varadkar drohte ebenfalls mit einer Blockade, sollte Brasilien seine Verpflichtungen im Umweltschutz nicht einhalten. Er sei angesichts des "Rekordniveaus an Zerstörung von Amazonaswald durch Feuer" sehr besorgt, sagte der irische Premier. Das zwischen EU und den Mercosur-Staaten ausgehandelte Handelsabkommen sei noch zwei Jahre von der Ratifizierung entfernt. "Wir werden innerhalb dieser zwei Jahre Brasiliens Handeln im Umgang mit der Umwelt sehr genau beobachten", so Varadkar.

In Irland ist das Freihandelsabkommen ohnehin heftig umstritten. Irische Bauern fürchten, sie könnten durch billige Fleischimporte aus Südamerika aus dem Wettbewerb gedrängt werden.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, dass sei ein solches Abkommen ohne Schutzgarantie für den Regenwald nicht verantwortbar sei.

Vor dem am Samstag beginnenden G7-Gipfel im südfranzösischen Biarritz waren sich die deutsche und französische Regierung aber einig, dass die Waldbrände im Amazonas-Gebiet dort auf die Tagesordnung gehören. Die derzeitigen Brände sind die größten seit Jahren. Mehrere Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen. Als Gründe für die zahlreichen Brände gelten die Waldrodung und vor allem die momentan herrschende Dürre – in der Trockenzeit entflammt sich in Brasilien regelmäßig der Wald. Zudem sollen einige Landwirte bewusst Feuer gelegt haben, um zugunsten der Viehzucht illegal Flächen freizumachen.