Angesichts der Zuspitzung der Lage in Hongkong hat Bundesaußenminister Heiko Maas Bundesbürgern empfohlen, geplante Reisen dorthin zu verschieben. "Ich glaube, dass man den Menschen durchaus sagen kann, wenn sie Hongkong-Reisen planen, diese möglicherweise etwas aufzuschieben, um abzuwarten, wie sich die Dinge dort entwickeln", sagte Maas im kanadischen Toronto.

In der einstigen britischen Kolonie Hongkong kommt es seit mehr als zwei Monaten immer wieder zu heftigen Protesten, die regelmäßig mit Ausschreitungen enden. Auslöser der Demonstrationen war ein Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China, der von Regierungschefin Carrie Lam inzwischen "für tot" erklärt wurde. Die Proteste haben sich aber derweil zu einer breiteren Demokratiebewegung entwickelt. Die Demonstrantinnen und Demonstranten fordern vor allem den Rücktritt von Lam, die sie für einen Büttel der chinesischen Führung halten.

Lam ermahnt die Regierungsgegner zusehends energischer, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone wiederherzustellen und die Gewalt zu beenden. Yang Gang, der Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde in China, warf gewaltbereiten Demonstrantinnen und Demonstranten "erste Anzeichen von Terrorismus" vor. Inzwischen soll die KP-Führung in Peking Truppen an die Grenze zu Hongkong verlegt haben, wie US-Präsident Donald Trump und chinesische Medien schrieben.

"Wir beobachten das sehr besorgt", sagte der deutsche Außenminister. Nach seinen Angaben leben mindestens 1.000 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in Hongkong. Maas betonte, dass beide Seiten dazu beitragen könnten, die Dinge nicht weiter eskalieren zu lassen. Man sei gegen Gewalt von Menschen, die von ihrem demokratischen Recht auf Demonstrationen Gebrauch machten. "Wir glauben, dass die Demonstranten ihre legitimen Interessen und Rechte wahrnehmen."

USA empfehlen erhöhte Wachsamkeit

Auch die US-Regierung hat ihre Reisehinweise für Hongkong verschärft. Die Bevölkerung sei wegen Unruhen aufgerufen, erhöhte Wachsamkeit an den Tag zu legen, teilte das US-Außenministerium mit. Zudem sagte ein Sprecher, man sei "tief besorgt" über Berichte, wonach paramilitärische chinesische Einheiten an der Grenze zu Hongkong zusammengezogen werden. Die USA riefen alle Seiten dazu auf, keine Gewalt anzuwenden. Die chinesische Führung müsse ihre Verpflichtung einhalten und der Sonderverwaltungszone Hongkong ein hohes Maß an Autonomie garantieren.

Auch Heiko Maas sagte, die Gewalt auf den Straßen von Hongkong sei "für uns in weiten Teilen nicht nachvollziehbar". Es sei ungeklärt, "wer Gewalt ausübt, ob dort Dritte im Auftrag des Staates oder der Polizei gegen Demonstranten vorgegangen sind. Bilder legen dies nahe", sagte Maas.