Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich der Forderung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron angeschlossen, die verheerenden Waldbrände in Brasilien als Thema während des G7-Gipfels in Biarritz zu behandeln.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: Wenn die sieben großen Industrienationen zusammenkommen, gehöre auch nach Überzeugung der Bundeskanzlerin "diese akute Notlage des Amazonasregenwalds auf die Tagesordnung". Da habeder französische Präsident die Bundeskanzlerin ganz an seiner Seite. Das Ausmaß der Brände nannte Seibert "erschreckend und bedrohlich", nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt. Der Amazonasregenwald sei im globalen Klimasystem von herausragender Bedeutung.

Macron bezichtigt Bolsonaro der Lüge

Macron hatte überdies eine Blockade des Freihandelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur angekündigt und warf Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro vor zu lügen. Macron sei zu dem Schluss gekommen, dass der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro ihn über seine Umweltschutz-Absichten belogen habe, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter Macrons. "Unter diesen Umständen lehnt Frankreich das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form ab", hieß es. Auch Irlands Regierungschef Leo Varadkar drohte mit der Blockade des EU-Mercosur-Handelsabkommen, sollte Brasília "seine Verpflichtungen im Umweltschutz nicht einhalten".

Die Regierung in Paris sieht das Mercosur-Abkommen schon länger kritisch, auch aus Sorge um französische Landwirte. Sie hatte sich Anfang Juli gegen eine rasche Ratifizierung des von der EU ausgehandelten Vertrags ausgesprochen und zusätzliche Garantien etwa für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes verlangt. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) teilte jetzt mit, für sie sei ein Mercosur-Handelsabkommenohne Schutzgarantien für den Regenwald sei nicht verantwortbar.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Als ein Grund für die erhöhte Zahl der Brände gilt die Waldrodung. Brasiliens Regierung plant einen Militäreinsatz gegen die Feuer.

Bolsonaro wirft Ausland "kolonialistische Denkweise" vor

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hatte sich Ratschläge aus dem Ausland verbeten. Es zeuge von einer "kolonialistischen Denkweise", wenn sich ausländische Staaten in innere Angelegenheiten einmischten, hatte er kritisiert. Bolsonaro warf Macron vor, die Waldbrände im Amazonasgebiet politisch "instrumentalisieren" zu wollen. Brasilien ist nicht Teil der G7. Dazu sagte Seibert: "Natürlich muss das Thema im Dialog und in der Zusammenarbeit mit Brasilien angegangen werden". Es gebe seit vielen Jahren Formen der Zusammenarbeit, die darauf abzielten, den Schutz des Regenwalds zu fördern. Aber angesichts der globalen Bedeutung und der "wirklich erschreckenden Situation mit Tausenden von Bränden" sei es angemessen, darüber auf dem G7-Gipfel zu sprechen.

Von Samstag bis Montag treffen sich in Biarritz in Südfrankreich die G7 – neben Deutschland und Frankreich sind das Italien, Großbritannien, Japan, Kanada und die USA.

Brasilien - Macron appelliert wegen Waldbränden an G7-Teilnehmer In Brasilien gibt es derzeit die stärksten Waldbrände seit Jahren. Der französische Präsident Emmanuel Macron will das Thema auf die Agenda des G7-Gipfels setzen. © Foto: Lauro Alves/AFP/Getty Images

Ein Bündnis von Tierschutz- und Umweltverbänden appellierte an die Politik, sich verstärkt für den Erhalt der Natur einzusetzen. Die beteiligten Organisationen – darunter der Naturschutzbund Nabu, der BUND, Greenpeace und der WWF – richteten ein Schreiben an Merkel. Darin riefen sie die deutsche Regierungschefin auf, gemeinsam mit Macron und den anderen Staatschefs, die am G7-Gipfel teilnehmen, "eine starke Allianz für die Artenvielfalt und den Erhalt der Natur" zu schmieden. Nur so könnten Regenwälder, Mangroven, Korallenriffe und andere Lebensräume vor der weiteren Zerstörung bewahrt werden. 

Das Naturschutzbündnis forderte eine "grundlegende Wende" bei der Nutzung von Landflächen und Investitionen in den Naturschutz. Bis zum Jahr 2030 sollten 30 Prozent der Land- und Meeresfläche für den Erhalt der Natur geschützt werden. Es sei Aufgabe der Politik, sich gegen das "weltweit dramatisch voranschreitende Artensterben" und den "Verlust der Natur" einzusetzen.