Manche hatten sich an die Hoffnung geklammert, dass es die Queen am Ende richten würde. Als Staatsoberhaupt hätte sie sich – theoretisch – weigern können, dem Antrag des Premierministers auf eine Suspendierung des Parlaments stattzugeben. Als Boris Johnson am Mittwochmorgen seine Absicht bekannt gab, die Legislative inmitten der Brexit-Krise in eine fast fünfwöchige Zwangspause zu schicken, war die Empörung unter Parlamentariern so groß, dass viele EU-Anhänger eine Intervention der Monarchin für möglich hielten: Elizabeth II würde sich dem populistischen Premier entgegenstellen und die Demokratie am Leben erhalten. Hat sie aber nicht.

Die Queen brauchte nicht einmal Bedenkzeit, unverzüglich stimmte sie Johnsons Plan zu, das Parlament wird so nur wenige Tage nach Beginn der Herbstsession wieder in den Urlaub geschickt. Johnsons Absicht ist offensichtlich: Wenn das Parlament nicht tagt, kann es keine Gesetze zur Verschiebung des Brexit-Termins oder zur Verhinderung des No Deal verabschieden. Es ist ein zutiefst undemokratisches Manöver, das den eigentlichen Souverän im Land völlig vom Brexit-Prozess ausschließt.

Nichts soll unversucht bleiben

Entsprechend haben Unterhausabgeordnete und Oppositionschefs harten Widerstand angekündigt: Nichts werde man unversucht lassen, um die Pläne der Regierung zu durchkreuzen und den No-Deal-Brexit doch noch abzuwenden. Aber was für Optionen haben Johnsons Gegnerinnen und Gegner überhaupt?

Eine Gruppe von mehr als 70 Parlamentarierinnen und Anwälten versucht bereits seit vergangenem Monat, die Suspendierung des Parlaments auf rechtlichem Weg zu verhindern. Angeführt von Joanna Cherry, einer Abgeordneten der Schottischen Nationalpartei (SNP), hat das Team bei einem Gericht in Edinburgh einen entsprechenden Antrag eingereicht. Sie fordern, dass eine prorogation des Parlaments – also genau das, was Johnson am Mittwoch getan hat – für "sowohl gesetzwidrig als auch verfassungswidrig" erklärt wird. Eigentlich war eine Anhörung am 6. September anberaumt worden, nun will Cherry den Prozess beschleunigen. Möglicherweise wird sie bereits am Freitag vor Gericht erscheinen. Allerdings ist ungewiss, wie hoch die Erfolgschancen des Rechtsbehelfs sind.

Parallel dazu versuchen Oppositionspolitiker, den Premierminister auf legislativem Weg zu stoppen – sie machen sich jetzt daran, gleichzeitig die Suspendierung des Parlaments als auch den drohenden No Deal zu verhindern. Anfang dieser Woche einigten sich Jeremy Corbyn und die Vorsitzenden verschiedener proeuropäischer Parteien, darunter die Liberaldemokraten und die Grünen, auf die Strategie, den ungeregelten EU-Austritt nicht über erzwungene Neuwahlen abzuwenden, sondern über ein entsprechendes Gesetz. Bereits nächste Woche werden die Brexit-Gegner wohl versuchen, die Kontrolle über den Fahrplan im Unterhaus zu gewinnen.