Seitdem der Rechtspopulist Jair Bolsonaro in Brasilien Präsident ist, wurden große Flächen an Regenwald im Amazonasgebiet gerodet. Einstige Schutzgebiete werden teils wieder für die Landwirtschaft freigegeben, das Budget des Landes für den Klimaschutz – und damit auch für den Erhalt und die Wiederaufforstung von Regenwald als wichtige CO2-Senke und Lunge der Erde – wurde fast vollständig gestrichen. Ebenso steht der Schutz von Waldgebieten als Lebensraum und Kulturerbe der indigenen Bevölkerung unter Bolsonaro infrage.

Angesichts dieser Entwicklung hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) entschieden, die finanzielle Förderung von Wald- und Biodiversitätsschutzprojekten in Brasilien zu stoppen. Dabei gehe es als ersten Schritt nach Angaben des Ministeriums um einen Betrag von rund 35 Millionen Euro. "Die Politik der brasilianischen Regierung im Amazonas lässt Zweifel aufkommen, ob eine konsequente Reduzierung der Entwaldungsraten noch verfolgt wird", sagte Schulze dem Tagesspiegel. Erst wenn darüber wieder Klarheit herrsche, könne die Projektzusammenarbeit fortgeführt werden.

Die Deutsche Regierung fördert seit Jahren Klimaschutz in Brasilien

Aus der internationalen Klimaschutzinitiative des Ministeriums wurden in der Vergangenheit erhebliche finanzielle Mittel für Projekte in Brasilien bereitgestellt. Von 2008 bis zum vergangenen Jahr flossen nach Angaben des Ministeriums rund 95 Millionen Euro. Die Regierung des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro bekennt sich zwar zum Ziel des Pariser Klimaabkommens, die illegale Abholzung im Regenwald bis 2030 auf null zurückzufahren und eine massive Wiederaufforstung zu starten, aber die Realität sieht anders aus. Einer der größten Unterstützer Jair Bolsonaros ist die Agrarlobby.

Die Amazonasregion wird großflächig zum Anbau von Soja für Tierfutter und für die Rinderzucht genutzt. Rund 17 Prozent des Regenwaldes sind in den vergangenen 50 Jahren zerstört worden. Forscherinnen und Forscher warnen, eine Marke von 20 bis 25 Prozent Verlust könnte zum Kippen der grünen Lunge der Erde führen – dann droht sich die Region in eine riesige Savanne zu verwandeln.

Nach ersten Trends könnte im Juli die Abholzung um bis zu 278 Prozent im Vergleich zum Juli 2018 gestiegen sein. Es gibt Hinweise, dass bis zu 2.255 weitere Quadratkilometer Wald zerstört worden sein könnten. Das haben Satellitenaufnahmen des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) ermittelt. Das entspräche mehr als der 2,5-fachen Größe Berlins allein in einem Monat.

Womöglich werden künftig die Zahlen und Schätzungen der Abholzung und Brandrodungen aus Brasilien nicht mehr so transparent veröffentlicht: Bolsonaro hat erst kürzlich entschieden, den INPE-Chef, den Physiker Ricardo Galvão, durch einen linientreuen Militär zu ersetzen. 

Brasilien - Jaír Bolsonaro bringt das Klima in Gefahr Der brasilianische Präsident Jaír Bolsonaro geht radikal gegen den Regenwald und seine indigene Bevölkerung vor. Das hat Auswirkungen auf den Klimawandel, erklärt Dagny Lüdemann.

Deutschland hat bereits 55 Millionen Euro in den sogenannten Amazonasfonds einbezahlt, mit dem Brasilien von einer Abholzung abgehalten werden sollte. Seit Einrichtung des Fonds 2008, der vor allem dank Zahlungen aus Norwegen mit über einer Milliarde Euro gefüllt wurde, gingen die Abholzungs- und Rodungszahlen zeitweise auch stark zurück. Unter Bolsonaro gibt es nun aber eine Trendwende, er verbittet sich aber eine Einmischung in "innere Angelegenheiten Brasiliens". Aus Sicht des Bundesumweltministeriums muss auch die Beteiligung Deutschlands am Amazonasfonds überprüft werden.

Der Präsident Brasiliens hat sich nicht nur immer wieder rassistisch und homosexuellenfeindlich geäußert, sondern ist auch ein bekennender Leugner der nachweislich und maßgeblich vom Menschen verursachten Erderwärmung. Dieser Klimawandel bedroht schon heute vielerorts Menschenleben und hat schwerwiegende, bereits spürbare Folgen für die Wirtschaft und Umwelt. Weltweit nehmen die CO2-Emissionen unterdessen – trotz zahlreicher Vereinbarungen auf Klimagipfeln – weiterhin zu. Bis heute hat sich die Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um ein Grad Celsius im Durchschnitt erwärmt. Steigt die globale Durchschnittstemperatur um ein weiteres halbes Grad, rechnen Forscherinnen und Forscher mit einer nicht mehr aufzuhaltenden Kettenreaktion an Klimaveränderungen.

Eine kürzere Fassung dieses Artikels ist zuerst im "Tagesspiegel" erschienen.