Nach Darstellung der brasilianischen Regierung könnten Umweltschützer die Brandstifter sein, die eine Serie von Waldbränden in der Amazonasregion auslösten. "Wir nehmen den Nichtregierungsorganisationen ihre Zuschüsse, wir haben die Überweisungen der Regierungsstellen eingestellt. Jetzt fehlt ihnen das Geld", sagte Präsident Jair Bolsonaro. "Es kann also sein, dass diese Organisationen gegen mich persönlich und die brasilianische Regierung vorgehen. Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden." Beweise für seine Behauptungen legte er nicht vor. 

Umweltschutzverbände wiesen die Vorwürfe zurück. "Diese Behauptung des Präsidenten ist unverantwortlich", sagte der Präsident des Instituts für Umweltschutz (Proam), Carlos Bocuhy, dem Nachrichtenportal G1. "Es hat keinen Sinn, zu behaupten, wir hätten das Feuer gelegt. Das ist absurd." 

Außer Kontrolle

In Brasilien wüten derzeit die größten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung Folha de S. Paulo berichtete. Insgesamt wurden demnach 72.843 Brände gezählt. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus.

Experten gilt als Ursache der Waldbrände vor allem die derzeit herrschende Dürre – in der Trockenzeit kommt es in Brasilien regelmäßig zu Waldbränden. Zudem sollen einige Landwirte bewusst Feuer gelegt haben, um zugunsten der Viehzucht illegal Flächen freizumachen. Verbunden mit der zunehmenden Rodung der Wälder können sich die Brände so extrem schnell ausbreiten.

Die exportorientierte brasilianische Landwirtschaft benötigt fortlaufend neue Flächen für den Anbau von Soja und die Rinderzucht. Präsident Jair Bolsonaro – bekannt als Klimawandelleugner – gilt als Förderer der Agrarindustrie. In der Konsequenz hat sich die Zerstörung des Amazonasregenwaldes seit Bolsonaros Amtsantritt stark beschleunigt. Nach Angaben des staatlichen Klimainstituts Inpe wurde im Juni 88 Prozent mehr Fläche abgeholzt, im Juli stieg dieser Anteil sogar um 278 Prozent, verglichen mit den Vorjahresmonaten. Allein im Juli sind demnach 2.254 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden.  

Der Amazonasregenwald verarbeitet jährlich mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2 und produziert etwa ein Fünftel des weltweit verfügbaren Sauerstoffs. Auch deswegen gilt er als "Lunge der Erde".