Die US-Regierung befürwortet einen EU-Austritt Großbritanniens auch ohne Abkommen. Bei seinem Besuch in London stellte sich der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, klar hinter den Brexit-Kurs des britischen Premierministers Boris Johnson. "Wenn es einen No-Deal-Brexit gäbe, wäre dies eine Entscheidung der britischen Regierung. Wir würden diese mit Begeisterung unterstützen", zitiert ihn der Guardian. "Wir sind bei euch."

Bolton war in die britische Hauptstadt gereist, um sich mit dem neuen Premier Johnson und anderen hochrangigen Vertretern der britischen Regierung zu treffen. Dabei sprach er sich nach Angaben britischer Medien erneut für ein Handelsabkommen der USA mit Großbritannien aus und stellte hierfür gestückelte Handelsabkommen für einzelne Industriebereiche in Aussicht. Ziel sei ein umfassendes Handelsabkommen, das alle Handelsgüter und Dienstleistungen umfasse, sagte Bolton dem Guardian zufolge. "Um das zu erreichen, könnte man Sektor für Sektor vorgehen."

US-Präsident Donald Trump hat Großbritannien bereits Ende Juli ein neues Handelsabkommen versprochen. Bisher sei der Handel zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich durch dessen Beziehungen zur Europäischen Union "gehemmt" worden, so Trump nach einem Telefonat mit Johnson. Ein "sehr umfassendes Freihandelsabkommen" für die Zeit nach dem Brexit könne den Handel künftig um das Fünffache erhöhen.

Britische Gesellschaft gespalten

Am 31. Oktober will Johnson die EU verlassen – "komme, was wolle", hatte er nach seiner Wahl zum Premierminister angekündigt. Er droht mit einem Austritt ohne Abkommen, sollte sich die EU-Kommission nicht auf seine Forderung nach Änderungen an dem mit seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Deal einlassen. Die lehnt die EU aber strikt ab. Damit wächst die Gefahr eines No-Deal-Brexits, der die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche schädigen würde.

Nach Informationen der britischen Sun geht Johnson jedoch fest davon aus, dass die Europäische Union in letzter Minute mit ihm auf einen neuen Brexit-Deal einigen wird – um "Irland zu retten". Ein No-Deal-Brexit würde das EU-Mitglied am stärksten treffen, die künftige Grenzziehung zur britischen Provinz Nordirland war einer der Knackpunkte der Brexit-Verhandlungen. Dort drohen bei einem ungeordneten Brexit Kontrollen, die den Warentransport verlangsamen und verteuern würden. Mays Brexit-Vertrag sieht dafür die sogenannte Backstop-Notlösung vor. Dieser Backstop soll auch in Zukunft garantieren, dass die irische Grenze als "grüne" Grenze offen bleibt. Johnson und die Brexit-Hardliner lehnen diese Variante jedoch ab.

Dabei wissen sie nur eine knappe Mehrheit der Briten hinter sich. So stimmen laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts ComRes im Auftrag des Daily Telegraph 44 Prozent der Befragten der Formulierung "Brexit auf jeden Fall" zu. 37 Prozent waren anderer Meinung – die britische Gesellschaft ist in der Brexit-Frage also weiterhin gespalten. 

In einer früheren Version des Artikels haben wir im Fall der ComRes-Umfrage falsche Zahlen genannt. Dies haben wir inzwischen korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.