Bei erneuten Ausschreitungen in Hongkong hat die Polizei 29 Demonstranten festgenommen. Sie gab die Zahl der Festnahmen am Sonntag bekannt, nachdem es am Abend zuvor nach einem Protestmarsch zu Zusammenstößen gekommen war.

Die Beamten setzten Tränengas ein und drängten Aktivisten zurück, die auf der Straße Barrikaden errichtet hatten. Demonstranten warfen Flaschen, Brandsätze und Steine auf die Polizisten. Zudem schlugen beide Seiten mit Baseballschlägern und Schlagstöcken aufeinander ein. Auch für Sonntag sind weitere Proteste geplant.

Gut zweieinhalb Monate dauern die Proteste nun schon an. Auslöser der Demonstrationen war ein Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China.

Protestbewegung fordert Untersuchung von Polizeigewalt

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam teilte auf Facebook mit, sie habe sich mit einer "Gruppe von Menschen" getroffen, um zu besprechen, wie man einen Dialog einleiten könne. An dem Treffen nahmen 19 Top-Wirtschaftsführer und Politiker teil, wie die Hongkonger Zeitung South China Morning Post unter Berufung auf mehrere Quellen berichtete.

Mehr als die Hälfte der Anwesenden soll Lam demnach dazu geraten haben, mehr Kompromissbereitschaft gegenüber den Demonstranten zu zeigen. So hätten sie Lam dazu aufgerufen, eine unabhängige Untersuchung über Polizeigewalt bei den Protesten einzuleiten und das Auslieferungsgesetz auch formell zurückziehen. Beides sind Kernforderungen der Protestbewegung.

Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 zu China. Als Sonderverwaltungszone sind Hongkong noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Um die fürchten nun aber viele Bewohner. An der Grenze zu Hongkong wurden chinesische Sicherheitskräfte zusammengezogen.