Begleitet von einem großen Aufgebot der Polizei haben in Moskau Zehntausende Menschen gegen Polizeigewalt und für faire und freie Wahlen demonstriert. Die Polizei sprach von rund 20.000 Teilnehmern, die Organisatoren von 50.000. In der Hauptstadt hatten sich nach dem Ende der genehmigten Kundgebung auf dem Sacharow-Prospekt viele Menschen im Stadtzentrum versammelt.

Auf Transparenten war zu lesen, "Geben Sie Moskau die Wahlen zurück", "Hier wählen wir" oder "Ich habe das Recht auf eine Wahl", andere "Freiheit, Freiheit". Auch Rufe wie "Russland ohne Putin" und "Putin ist ein Dieb" waren zu hören. Ein Redner rief von der Bühne: "Brauchen wir einen solchen Präsidenten?" Die Menge antwortete im Chor: "Nein!"

Nach Zahlen des Bürgerrechtsportals OWD-Info nahm die Polizei landesweit bei Solidaritätskundgebungen für die Moskauer Proteste rund 280 Menschen in Gewahrsam. Mehr als 80 Festnahmen wurden demnach in der nordrussischen Stadt St. Petersburg gezählt. In der Hauptstadt seien es 150 gewesen. Die Polizei sprach von 136 bis zum Abend.  

Die Demonstrantinnen und Demonstranten wollen unter Anderem erreichen, dass eine Reihe von Oppositionskandidaten zur Moskauer Stadtratswahl am 8. September zugelassen werden. Sie waren wegen angeblicher Formfehler bei ihren Registrierungsanträgen nicht zugelassen worden. Zu ihnen gehört auch der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Er sitzt derzeit im Arrest, ebenso wie der prominente Antikorruptionskämpfer Alexej Nawalny, der die ersten Demonstrationen organisiert hatte.

Vorwurf der Einmischung auch an Deutschland

Bereits erste Proteste, die sich gegen die Nichtzulassung der Bewerber richteten, waren von der Polizei mit Gewalt aufgelöst worden. Dabei wurden mehr als 2.000 Menschen festgenommen. Bilder und Videos im Internet, auf denen das gewaltsame Vorgehen der Polizei mit Knüppeln zu sehen ist, hatten international Entsetzen und Kritik ausgelöst.

In sozialen Netzwerken riefen Blogger mit Millionen Followern dazu auf, gegen die Polizeigewalt zu protestieren. Einer der beliebtesten Youtuber in Russland, Juri Dud, appellierte via Instagram an seine Fans, sich stärker politisch zu engagieren: "Unsere Trägheit hat dazu geführt, dass jegliche politische Konkurrenz zerschlagen wurde."

Das russische Außenministerium hatte zuletzt den USA, aber auch Deutschland vorgeworfen, die Proteste zu unterstützen und vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands gewarnt. Schon in der Vergangenheit hat Russlands Regierung oft behauptet, Proteste im In- und Ausland – etwa in der Ukraine oder in Venezuela – würden von ausländischen Agenten gesteuert.