Die Handelsstreitigkeiten der USA mit China und Europa und die dadurch belastete Weltwirtschaft stehen im Mittelpunkt der weiteren Beratungen des G7-Gipfels, die an diesem Sonntag fortgesetzt werden sollen. Während US-Präsident Donald Trump seinen Handelskrieg mit China unmittelbar vor dem Gipfel noch einmal verschärft hat, drängen die anderen G7-Partner den amerikanischen Präsidenten, grundsätzlich von Strafzöllen abzusehen, um seine handelspolitischen Ziele zu erreichen.

Ungeachtet dieser Differenzen zeigte sich Trump hoch zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Beratungen. "Wir haben sehr gute Treffen, die Chefs kommen sehr gut miteinander aus", twitterte er am Sonntagmorgen und kritisierte abermals die von ihm als "Fake News" verunglimpften Medien, die den Gipfel bereits als katastrophal abgeschrieben hätten.

Kein Abschlusskommuniqué geplant

Der US-Präsident war nach seiner Landung in dem südwestfranzösischen Seebad am Samstag zunächst mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammengekommen. "Das Mittagessen mit Emmanuel war das beste Treffen, das wir bislang hatten", twitterte Trump danach. Auch das Abendessen mit den Staats- und Regierungschefs sei sehr gut verlaufen. Frankreich und Macron hätten bislang einen großartigen Job bei dem "sehr wichtigen" Gipfel gemacht. Am Sonntag wollte er zunächst mit dem britischen Premierminister Boris Johnson zu einem Arbeitsfrühstück zusammenkommen. Danach wollte er an der Arbeitssitzung zur Weltwirtschaft, zur Außenpolitik und zu Sicherheitsthemen teilnehmen.

Das Gipfeltreffen der wichtigen Industriestaaten in Biarritz dauert noch bis Montag an. Das Augenmerk liegt bei diesem Gipfel vor allem auf drei Teilnehmern: Trump, der den letzten Gipfel per Twitter nachträglich platzen ließ, indem er das Abschlussdokument für nichtig erklärte. Dem britischen Premierminister Johnson, für den es die Premiere auf der großen Gipfelbühne ist – er trifft am Sonntagmorgen erstmals in neuer Funktion Trump. Und Macron, der nach dem denkwürdigen Scheitern im vergangenen Jahr als Gastgeber nun vieles anders machen möchte. 

G7-Gipfel - Handelsstreit und Zerwürfnisse überschatten Treffen von Merkel, Trump & Co. In Biarritz hat das Treffen der Regierungschefs und -chefinnen der größten Wirtschaftsnationen begonnen. Eine gemeinsame Abschlusserklärung wird diesmal nicht erwartet. © Foto: Ludovic Marin/AFP/Getty Images

Erstmals in der 44-jährigen Geschichte des illustren Clubs ist zumindest von vornherein kein gemeinsames Abschlusskommuniqué mehr geplant. Ob es tatsächlich dabei bleibt, ist unklar. Beobachter halten es auch für möglich, dass zumindest geplante Dokumente zu Einzelthemen zu einer gemeinsamen Erklärung zusammengebaut werden.

68 Festnahmen am Rande der Proteste

Themen des Gipfels sind die Brände im Amazonas-Urwald, die Konflikte in Syrien und der Ukraine, Entwicklungspolitik, die Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie die Lage in Afrika, insbesondere in der Sahelzone. Die schwierigen Brexit-Verhandlungen dürften ebenso zur Sprache kommen. Und auch die Gleichheit von Frauen ist eines der vielen Themen, die Gastgeber Macron in den Mittelpunkt der dreitägigen Beratungen gestellt hatte. An diesem Sonntag geht es bei einem Mittagessen zusammen mit Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank und des Währungsfonds um diese Fragen.

Die Kritiker des Gipfels kündigten derweil neue Proteste an. Am Vorabend gab es erste Ausschreitungen. In Bayonne, einer Nachbarstadt von Biarritz, kam es bei einer Demonstration von mehreren hundert Gipfelgegnern zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte, nachdem Steine geflogen waren. Nach Angaben der örtlichen Präfektur am Rande des Gipfels wurden mindestens 68 Menschen festgenommen. Orte und Umstände der Festnahmen blieben zunächst offen. Der Gipfel wird von 13.000 Sicherheitskräften im weiträumig abgeriegelten Biarritz gesichert.