Die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen (G7) wollen stärker als bisher gegen islamistischen Terrorismus in Westafrika vorgehen. Das kündigten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron bei dem Gipfeltreffen im französischen Biarritz an.

"In der Sahelregion lautet unsere Herausforderung, effektiv gegen den Terrorismus zu kämpfen", sagte Macron. Er trat am Rande des Gipfels gemeinsam mit Merkel und dem Vorsitzenden der Regionalorganisation G5-Sahel, Burkina Fasos Staatspräsident Roch Marc Kaboré, auf. Macron stellte zusätzliche finanzielle Unterstützung in Aussicht, nannte aber keine Details.

Merkel sagte: "Entwicklung ohne Sicherheit ist nicht möglich, und deshalb müssen wir die Sicherheit stärken." Die deutsch-französische Initiative werde von allen G7-Ländern unterstützt. Die Aufgabe sei, im Bereich von Logistik, Ausrüstung und Ausbildung auf die Bedürfnisse der Sahelregion einzugehen. "Es geht jetzt hier nicht direkt darum, dass wir mehr Truppen senden", so die Bundeskanzlerin.

Deutsche und französische Soldaten sind bereits vor Ort

Zu der G5-Gruppe zählen neben Burkina Faso Mali, Niger, Mauretanien und Tschad. Die Lage in den Kern-Sahelstaaten verschlechtert sich zusehends: 2015 wurden in Burkina Faso noch vier Angriffe islamistischer Terroristen registriert, 2018 waren es schon 160. Im Rahmen der UN-Mission Minusma sind in Mali über 800 Bundeswehrsoldaten stationiert. Frankreich setzt in Westafrika über 4.000 Soldaten im Antiterrorkampf ein.

Hilfsorganisationen reagierten kritisch auf die Vorschläge. "Sicherheitspolitische Mittel sind kein Allheilmittel für die strukturellen Probleme, wir benötigen umfassende entwicklungspolitische Ansätze mit einem zentralen Fokus auf dem Kampf gegen soziale Ungleichheit", sagte Jörn Kalinski von Oxfam. "Keine Sicherheit ohne Entwicklung", sagte Friederike Röder von der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation ONE. In der Sahelzone leben etwa 40 Prozent der Bevölkerung in Armut.

Maßnahmen sollen noch dieses Jahr beginnen

Deutschland und Frankreich wollen in den kommenden Monaten eine internationale Partnerschaft für mehr Sicherheit und Stabilität in der Sahelzone südlich der Sahara ins Leben rufen. Dabei soll es nicht um zusätzliche Truppen, sondern um Ausbildungshilfe, Ausrüstung und Beratung gehen. Offiziell gegründet werden soll die Plattform noch in diesem Jahr.

Neben der Antiterrorhilfe für Westafrika wurde bei dem G7-Gipfel auch die angespannte Iran-Krise, der Brexit, die Wiederaufnahme Russlands in die Gruppe und die starken Waldbrände im Amazonas besprochen. An dem Gipfel nehmen die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen teil. Außer Deutschland, Frankreich, den USA und Großbritannien gehören auch Italien, Kanada und Japan zu den G7.