Israels Armee hat nach eigenen Angaben an der Grenze zum Gazastreifen vier bewaffnete Palästinenser getötet. Sie hätten sich am Samstag dem streng gesicherten Grenzzaun zu Israel genähert, teilte das Militär zunächst über Twitter mit. Dort hieß es, israelische Soldaten hätten das Feuer eröffnet, nachdem einer der Männer den Grenzzaun überquert habe.

"Es wurde wohl ein sehr großer Anschlag auf Israel verhindert", sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus. Alle vier Angreifer hätten Uniformen getragen und seien mit Kalaschnikow-Sturmgewehren des Typs AK-47 bewaffnet gewesen. Die Gruppe habe auch eine Panzerfaust, Handgranaten, eine Erste-Hilfe-Box und Snacks bei sich gehabt.

Die Palästinenser seien mithilfe von Überwachungskameras entdeckt worden, sagte der Armeesprecher. "Sobald einer von ihnen versuchte, über den Grenzzaun zu klettern, eröffneten unsere Truppen das Feuer." Es sei zu einem kurzen Schusswechsel gekommen und einer der Palästinenser habe dabei auch eine Granate auf die Soldaten geworfen. Auf der israelischen Seite habe es aber keine Verletzten gegeben.

"Wir sehen die Hamas als verantwortlich"

Es sei noch unklar, zu welcher Gruppierung die bewaffneten Männer gehörten. "Wir sehen die Hamas als verantwortlich für alle Vorfälle im Gazastreifen und erwarten von ihr, solche Ereignisse zu stoppen." Der Vorfall habe sich an der Grenze zum südlichen Teil des Palästinensergebiets ereignet.

Die Hamas erklärte hingegen, sie habe die Aktion der vier Palästinenser nicht geplant. Bei ihnen habe es sich um "verärgerte Jugendliche" gehandelt, die auf die seit zwölf Jahren bestehende Blockade des Gazastreifens durch Israel reagiert hätten, teilte Hamas-Sprecher Abdel Latif al-Kanu mit.

Israel hat vor zwölf Jahren eine Blockade des Gazagebietes – die auch den Seeweg betrifft – verschärft, die inzwischen von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Maßnahme mit Sicherheitsinteressen. Die EU, Israel und die USA stufen die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas als Terrororganisation ein. Sie hatte 2007 gewaltsam die Kontrolle im Gazastreifen übernommen und sich die Zerstörung Israels zum Ziel gesetzt. Unter Vermittlung Ägyptens hatten Israel und die Hamas sich zuletzt allerdings auf eine Waffenruhe im Nahostkonflikt geeinigt.

Gazastreifen im Zentrum mehrerer Kriege

Bei Protesten gegen die Blockade sind seit Ende März 2018 nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 300 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet und Tausende weitere verletzt worden. In dem Küstenstreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen.

Der Nahostkonflikt besteht seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948. In dem Gebiet leben Juden und Araber und erheben gegenseitig alleinige Gebietsansprüche. Im Sechstagekrieg von 1967 eroberte Israel von Ägypten den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel, von Jordanien das Westjordanland sowie von Syrien die Golanhöhen und außerdem Ost-Jerusalem. Mit Ägypten schloss Israel später einen Friedensvertrag. Der Sinai wurde 1982 zurückgegeben. 

In der Geschichte des Nahostkonfliktes gab es mehrere Kriege um das Gebiet von Gaza, noch immer kommt es dort und auch in anderen Teilen Israels häufig zu Terroranschlägen und Gewalttaten. Israel verhängt immer wieder Blockaden und Sanktionen, um die Palästinenser in den Siedlungen wirtschaftlich zu schwächen.

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