Großbritannien erlaubt das Auslaufen des iranischen Öltankers Grace 1, der seit Anfang Juli vor Gibraltar festgesetzt war. Das teilte der zuständige Staatsanwalt mit. Britische Marineinfanteristen hatten den Supertanker unter dem Verdacht geentert, er transportiere iranisches Öl nach Syrien. Das wäre ein Verstoß gegen EU-Sanktionen, die gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad verhängt wurden.

Die USA hatten eine fortdauernde Beschlagnahmung des Schiffes beantragt. Auf welcher Grundlage die USA den Antrag stellten, erklärte Staatsanwalt Joseph Triay nicht. Er sprach lediglich von "gegenseitiger juristischer Unterstützung" zwischen Großbritannien und den USA.

Der Vorsitzende Richter Anthony Dudley hatte bereits am Vormittag bei einer Gerichtsanhörung erklärt, der iranische Tanker hätte das britische Überseegebiet ohne den US-Antrag nach der Gerichtsanhörung verlassen dürfen. Der indische Kapitän und drei Besatzungsmitglieder der Grace 1 wurden nach Angaben eines Regierungssprechers freigelassen. Sie befanden sich bereits zuvor gegen Kaution auf freiem Fuß.

Der Iran hält britischen Tanker nach wie vor fest

Der Iran hat die Freigabe des Schiffes bestätigt. Schon bald werde der Tanker Gibraltar verlassen, wie Irans Botschafter in London, Hamid Baeidinedschad, twitterte. Das Ende der Festsetzung, die er als illegal bezeichnete, sei das Ergebnis intensiver Verhandlungen des Iran mit Großbritannien. Die Freigabe des Schiffs durch ein Gerichtsurteil sei eine "demütigende Niederlage" für die USA.

Der Iran bestreitet, dass sich der Tanker auf dem Weg nach Syrien befand. Auch kurz vor der Freigabe soll der Iran dies der Regierung Gibraltars gegenüber erneut dementiert haben. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bezeichnete die Festsetzung des Tankers durch Großbritannien als "Piraterie".

Der Streit hatte die Spannungen mit dem Iran verschärft. Zwei Wochen nach der Festsetzung der Grace 1 setzte der Iran im Persischen Golf ein britisches Schiff fest. Das Angebot des Iran, die Tanker gegenseitig auszutauschen, lehnte Großbritannien ab. Nach wie vor wird die Stena Impero, wie das britische Schiff heißt, vom Iran festgehalten. Seit Anfang des Monats beteiligt sich Großbritannien an der internationalen maritimen Sicherheitsmission der USA in der Golfregion.