Sollte Großbritannien die EU ohne Austrittsabkommen verlassen, möchte der britische Premierminister Boris Johnson die noch ausstehenden Zahlungen an die EU kürzen. Sollte es zu einem No-Deal-Brexit kommen, könnte Großbritannien nur 9 statt der geplanten 39 Milliarden Pfund zahlen, berichtete der Nachrichtensender Sky News. Demnach verliert die von Johnsons Vorgängerin Theresa May vereinbarte Brexit-Schlussrechnung im Falle eines No-Deal-Austritts für Johnson ihre Gültigkeit.

Eine Bestätigung für den Bericht gibt es bisher nicht. Aus EU-Kreisen heißt es, dass Johnson das Thema bei seinem Gespräch mit EU-Ratspräsident Donald Tusk auf dem G7-Gipfel in Biarritz nicht angesprochen habe. Zudem sei die von Johnson genannte Summe von 39 Milliarden Pfund keine EU-Zahl. Laut EU könnte die Summe auch niedriger sein. Sie soll erst bekannt gegeben werden, wenn feststeht, wann Großbritannien die EU verlässt. Nach aktuellem Stand soll dies am 31. Oktober dieses Jahres sein.

Johnson glaubt nicht an geordneten Brexit

Johnson selbst hält einen geordneten Brexit für unwahrscheinlich. In Brüssel und in anderen europäischen Städten werde langsam begriffen, welche Probleme Großbritannien mit dem Austrittsabkommen habe, sagte der Premierminister der BBC am Rande des G7-Gipfels. Das Wichtige sei Johnson zufolge, sich darauf vorzubereiten, ohne ein Abkommen aus der EU auszutreten.

Der Premierminister bezeichnete sich als Optimisten und erklärte, daran zu glauben, dass die EU verstehe, dass es "die Möglichkeit" gebe, "einen Deal zu machen". Ein Knackpunkt des unter Johnsons Vorgängerin May ausgehandelten Brexit-Abkommens ist die Grenzfrage zwischen EU-Mitglied Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland.

Die sogenannte Backstop-Klausel soll einen freien Waren- und Personenverkehr über die irische Grenze so lange sicherstellen, bis sich EU und Großbritannien auf ein umfassendes Handelsabkommen einigen. Johnson lehnt das ab, weil Großbritannien dadurch auf womöglich unabsehbare Zeit eng an die EU gebunden bliebe. Er selbst strebt nach dem Brexit ein rasches Handelsabkommen mit den USA an.