Das chinesische Parlament ist weiterhin gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Nach dem chinesischen Rechtsverständnis sei die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, teilte ein Parlamentssprecher bei einer Pressekonferenz in Peking mit. "Diese Regel entspricht den Verhältnissen sowie den historischen und kulturellen Traditionen unseres Landes ", sagte Zang Tiewei, Sprecher des Justizausschusses. "Soweit ich weiß, erkennt die überwiegende Mehrheit der Länder der Welt die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe nicht an", hieß es weiter.

Anlass für die aktuelle Debatte sind geplante Änderungen am Bürgerlichen Gesetzbuch, die im kommenden Jahr in Kraft treten sollen. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem Änderungen in den Bereichen der sexuellen Belästigung, Scheidung oder Familienplanung vor. Aktivistinnen und Aktivisten fordern jedoch, im Zuge der Änderungen auch die Rechte von Homosexuellen auszuweiten. Allerdings gibt es bisher wenig Anzeichen dafür, dass die Kommunistische Partei einen solchen Schritt veranlassen wird.

Der prominente Aktivist für die Rechte von Homosexuellen, Sun Wenlin, zeigte sich nach den Äußerungen des Parlamentssprechers enttäuscht. "Sie untergraben unser Vorhaben, die Person zu heiraten, die wir lieben", sagte Sun im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings sei er nicht überrascht. Der Aktivist hatte vor drei Jahren beantragt, seinen gleichgeschlechtlichen Partner heiraten zu dürfen, was von einem chinesischen Gericht abgelehnt worden war.

Homosexualität ist in China nicht strafbar, 2001 hat die Regierung Homosexualität aus der Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen. Laut einem UN-Bericht können Chinesen ihre Sexualität weitgehend offen ausleben. Die LGBTQ-Szene (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer) gilt in vielen chinesischen Großstädten als ausgeprägt. 

Allerdings fürchten Aktivistinnen und Aktivisten eine Zunahme staatlicher Zensur und wachsende Intoleranz gegenüber Homosexuellen. Hinzu kommt, dass der Umgang mit Homosexuellen in China zum Teil widersprüchlich ist. 2014 hat eine chinesische NGO Lehrbücher für Medizin und Psychologie analysiert. In 40 Prozent der Bücher wird Homosexualität demnach als unnormal beschrieben, über 50 Prozent listeten verschiedene "Behandlungsmöglichkeiten" auf – unter anderem heterosexuelle Heirat und Elektroschocktherapie. Immer wieder gibt es Berichte von Kliniken, die solche Methoden anwenden.

Als erstes asiatisches Land hatte das Parlament in Taiwan im Mai einen Gesetzentwurf zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe gebilligt. Taiwan wird von China als abtrünnige Provinz angesehen.