Die Organisatoren einer Demonstration für mehr Demokratie in Hongkong haben ihre für Samstag geplante Kundgebung abgesagt. Nachdem ein Berufungsgericht die Genehmigung verweigert habe, sehe man keine andere Möglichkeit, sagte Bonnie Leung von der Organisation Zivile Menschenrechtsfront. Man sorge sich um die Rechtssicherheit und die körperliche Unversehrtheit der Teilnehmer. Die Regierungsgegner könnten demnach nur eine illegale Demonstration abhalten. 

Die Menschenrechtsfront hatte geplant, eine Demonstration zum Verbindungsbüro der chinesischen Regierung in Hongkong zu veranstalten. Anlass wäre der fünfte Jahrestag des Verbotes einer demokratischen Direktwahl des Hongkonger Regierungschefs gewesen. Diese Entscheidung hatte 2014 die sogenannte Regenschirmbewegung ausgelöst. Die Polizei hatte an die Organisatoren geschrieben, es sei zu befürchten, dass Teilnehmer der Demonstration "gewalttätige und destruktive Taten" begehen wollten und die Veranstaltung untersagt.

Drei der bekanntesten Aktivisten der Protestbewegung sind mittlerweile in Polizeigewahrsam. Joshua Wong sei auf dem Weg zu einer U-Bahn-Station aufgegriffen und auf eine Polizeiwache gebracht worden, teilte seine regierungskritische Partei Demosisto mit. Ein weiteres Mitglied, Agnes Chow, sei in ihrem Zuhause ebenfalls festgenommen worden. Wong ist Generalsekretär von Demosisto und war 2014 einer der studentischen Anführer der prodemokratischen Regenschirmbewegung.

Der Anführer der verbotenen Unabhängigkeitspartei Hong Kong National Party, Andy Chan, war Medienberichten zufolge bereits am Donnerstag am internationalen Flughafen der Millionenmetropole festgenommen worden, von wo aus er nach Japan fliegen wollte. Chan wird offenbar die Teilnahme an Krawallen und ein tätlicher Angriff auf einen Polizisten vorgeworfen. 

In Hongkong gibt es seit drei Monaten Massendemonstrationen für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme Chinas. Dabei hatte es am vergangenen Wochenende schwere gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben. Viele Protestierer gingen trotz Demonstrationsverboten auf die Straße.


China drohte in seiner staatlichen Zeitung China Daily vor einer Eskalation der Lage. Sollte es dazu kommen, hätten die in der Sonderverwaltungszone stationierten chinesischen Soldaten "keinen Anlass, untätig zuzuschauen", schrieben die Autoren. Die Anwesenheit des chinesischen Militärs sei "nicht rein symbolisch". Die Führung in Peking hatte am Donnerstag einen Austausch der heimischen Streitkräfte in Hongkong bekannt gegeben und von einem Routineschritt gesprochen.